Schulreform : Zöllner will Zugang zum Gymnasium erschweren

Wegen des Abiturs nach zwölf Jahren ist der Leistungsdruck an Gymnasien besonders hoch. Schulsenator Zöllner stellt daher deren Aufnahmekriterien zur Diskussion.

Susanne Vieth-Entus

BerlinDie Sozialquote beim Übergang auf die weiterführenden Schule ist wieder auf der Tagesordnung. Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) empfiehlt in seinem mit Spannung erwarteten Vorschlag zur Strukturreform: „Um der sozialen Segregation entgegenzuwirken, sollte die Frage einer Quotierung nach sozialen Kriterien diskutiert werden“. Der Senat wird sich an diesem Dienstag mit dem Reformpapier beschäftigen.

In erster Linie geht es bei der Strukturreform darum, die gesamte Mischung  an den Schulen – leistungsmäßig, aber auch sozial – zu verbessern. Aus diesem Grund sollen Haupt-, Real- und Gesamtschulen zu einer Sekundarschule verschmolzen werden. Daneben soll es nur noch Gymnasien geben. SPD und Linkspartei wollen aber vermeiden, dass sich an bestimmten Sekundarschulen die Schüler aus sozial schwachen Familien ballen. Im Dezember fiel das erste Mal das Stichwort „Sozialquote“. Anders als die SPD will die Linkspartei diese Quote aber auch für leistungsschwache Kinder.

Auch andere heikle Fragen werden in Zöllners Vorschlag angerissen, aber nicht beantwortet. Dies gilt insbesondere für den Übergang von der Grundschule zum Gymnasium. Kaum eine Frage beschäftigt Eltern so sehr, wie die nach den Kriterien für diese Weichenstellung. Als sicher gilt bisher nur, dass es bei der im Bundesvergleich sehr liberalen Berliner Regelung nicht bleiben wird.

Zöllner begründet diesen Zwang zu einem strengeren Zugang mit der kürzeren Lernzeit am Gymnasium: Da hier das Abitur nach zwölf Jahren abgelegt werden muss, wird den Kindern mehr abverlangt als an der geplanten Sekundarschule, die auch den 13-jährigen Weg anbietet. Zudem soll das Probehalbjahr abgeschafft werden, und die Gymnasien dürfen Kinder nicht mehr „abschulen“. Deshalb müssten „über den Elternwillen hinaus Zugangskriterien an Bedeutung gewinnen“, betont Zöllner. Welche das sein könnten, stellt er zur Diskussion.

Der Senator nennt drei Möglichkeiten, wobei er betont, dass „die Mehrheit der Länder“ einen strengen Notenschnitt anlegt: In Thüringen etwa müssten die Schüler in allen Hauptfächern eine „Zwei“ aufweisen. Wer das nicht schafft und dennoch aufs Gymnasium will, muss an einem dreitägigen Probeunterricht teilnehmen, berichtet Zöllner.

Als Alternativen nennt er den Weg, den Schleswig-Holstein beschreitet: Hier kann man mit einer Realschulempfehlung auf das Gymnasium, wenn man sich einem Aufnahmegespräch stellt. Bremen schließlich verfährt fast so liberal wie Berlin: Hier muss man lediglich ein Beratungsgespräch absolvieren, wenn man die Empfehlung der Grundschule missachtet.

Die Pilotphase Gemeinschaftsschule wird nach dem Vorschlag Zöllners fortgesetzt: Es können sich auch künftig noch weitere Schulen bewerben. Dies dürfte die Linkspartei zufrieden stellen, die am liebsten überhaupt nur noch eine Schulform zulassen würden.

Dem jetzigen Strukturvorschlag Zöllners ging eine zweijährige Diskussion voraus. Schon im März 2007 hatte die Fraktion der Grünen einen Antrag ins Parlament eingebracht, „die Zweigliedrigkeit als Schritt für mehr individuelle Förderung zu prüfen“. Dem standen Beschlüsse der SPD und der Linkspartei für eine „Schule für alle“ entgegen. Da die Abschaffung der Gymnasien zurzeit nicht mehrheitsfähig ist, fand Zöllner zumindest in der SPD-Fraktion Zustimmung für seinen Weg den zweigliedrigen Weg.

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