Stadtautobahn : Der Autobahn müssen Gärten und Häuser weichen

Langsam wird es ernst: Die A 100 soll bis 2016 bis zum Treptower Park ausgebaut werden. Jetzt hat die Senatsverwaltung den Anwohnern die Pläne vorgestellt.

Matthias Jekosch

Für die Nachbarn in Treptow und Neukölln wird es langsam ernst: 2010 rollen die ersten Bagger an, 2016 soll dann der 16. Abschnitt der A100 vom Autobahndreieck Neukölln bis zum Treptower Park fertiggestellt sein. Im Rathaus Treptow stellten die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und das Bundesministerium für Verkehr am Mittwoch die Pläne vor. „Die Eingriffe im Treptower Norden sind immens“, sagte Baustadtrat Rainer Hölmer.

Die erste Stunde stand im Zeichen der Theorie: Auf der Leinwand waren Grafiken, Skizzen, Messungen zu sehen. Das war einigen der etwa 160 Besucher zu viel. „Das ist nicht bürgernah. Wir wollen wissen, was mit unseren Wohnungen passiert“, sagte eine Anwohnerin. Die Auflösung dazu kam nach knapp anderthalb Stunden. Vor allem die Beermannstraße, die hinter dem Park-Center verläuft, ist betroffen. Dort müssen vier Häuser mit knapp 200 Wohnungen abgerissen werden. Die Grundstücke sind in Privatbesitz und müssen noch erworben werden. Für die übrigen Anwohner wird es laut. Lärmschutzwände sollen den Krach von bis zu 100 000 Fahrzeugen am Tag reduzieren. Zusätzlich müssen in einigen Häusern Lärmschutzfenster oder Schalldämmlüfter installiert werden.

Etwa 420 Millionen Euro wird der Ausbau den Bund kosten. Von dem Geld entfallen etwa 55 Millionen auf den Erwerb von Grundstücken. Der Stadtring wird um etwa 3,2 Kilometer verlängert. Mitte dieses Jahres soll ein Antrag auf ein Planfeststellungsverfahren erfolgen. Sobald das Verfahren eröffnet wird, liegen die Pläne vier Wochen öffentlich aus. Der neue sechsspurige Abschnitt verschwindet gleich hinter dem Autobahndreieck Neukölln in einem Tunnel. Nach 400 Metern öffnet sich der Tunnel, die Autobahn bleibt jedoch in der Versenkung. Kurz vor der Ausfahrt Am Treptower Park wird sie dann oberirdisch weitergehen.

Die Bauarbeiten bringen Einschränkungen für viele Berliner mit sich: Auf der Ringbahn wird es wahrscheinlich zu einer sechswöchigen Sperrung kommen. Die Kiefholzstraße wird für die Bauzeit verlegt werden, die Sonnenallee soll einspurig befahrbar bleiben. 250 Kleingärten in Neukölln und 45 Kleingärten in Treptow müssen weichen. Zumindest für die Neuköllner Gärten soll es Ersatzflächen geben. 500 Bäume werden gefällt, später sollen jedoch 691 neu gepflanzt werden. Die Lärm- und Schadstoffbelastung auf den Straßen an der Ausfahrt Am Treptower Park werde zunehmen, gab Katrin Vietzke von der Senatsverwaltung zu. „Deswegen werde ich mich für den Bau des 17. Abschnittes zur Frankfurter Allee einsetzen“, kündigte Baustadtrat Hölmer an. Dadurch werde es wieder zu einer Entlastung kommen.

Die A 100 sollte ursprünglich mal als Ring um die Berliner Innenstadt führen. Dieses Ziel wurde aus dem Flächennutzungsplan gestrichen. Der Bau geht seit 1958 in Teilabschnitten immer weiter voran. 2004 wurde der 15. Bauabschnitt von der Anschlussstelle Buschkrugallee bis zur Anschlussstelle Grenzallee fertiggestellt.

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