Stadtplanung : Discounter-Bauten: Einfach hingeklotzt

Schlichte Flachbauten für Discounter entstehen oft auf einstigen Bahnflächen. Viele Berliner ärgert das, die SPD will den Auswuchs jetzt bremsen.

Klaus Kurpjuweit

Berlin - Schön sind sie meist nicht, die mehr oder weniger standardisierten Bauten für Lebensmitteldiscounter in der Stadt. Jetzt will die SPD, wie berichtet, das weitere Ausbreiten solcher Flachbauten in der Stadt bremsen. Einfach wird dies allerdings nicht. Die Bezirke können bisher zwar Geschäfte mit mehr als 800 Quadratmetern untersagen, doch die Unternehmen legten meist Pläne mit einer Fläche von nicht mehr als 799 Quadratmetern vor, sagte der Baustadtrat von Mitte, Ephraim Gothe (SPD), am Sonntag. „Und dann sind uns die Hände gebunden.“

Flächen für weitere Gewerbebauten gibt es in der Stadt reichlich. Vor allem auf ehemaligem Bahngelände. Dort sind in jüngster Zeit mehrere Neubauten entstanden, von denen die SPD jetzt keine weiteren sehen will. Die Bahn hat die meisten ihrer Güterbahnhöfe in der Stadt aufgegeben und den Verkehr der Straße überlassen.

„Flächen, die wir nicht mehr benötigen, versuchen wir zu verkaufen“, sagte ein Bahnsprecher. Vorher müssen die Anlagen entwidmet werden – wie zum Beispiel für den Güterbahnhof Wilmersdorf oder an der Hermannstraße in Neukölln. Wo einst Gleise lagen, steht an der Hermannstraße jetzt ein kleineres, mehrstöckiges Einkaufszentrum – immerhin mit einer Klinkerfassade.

Meist sehen Fahrgäste vom Zug aus aber nur Neubauten, die einem Container ähneln; mit mehr oder weniger Fenstern. Solche Klötze stehen zum Beispiel am Ostbahnhof auf dem Gelände des ehemaligen Wriezener Bahnhofs. Das einzig erhaltene Gebäude aus der Bahnzeit ist eingekeilt von 08/15-Gewerbebauten, deren Fassaden auch noch schreiend blau oder rot sind. Ähnliche Bauten sind auf dem ehemaligen Güterbahnhof Charlottenburg entstanden. Auch auf dem ebenfalls stillgelegten Güterbahnhof Moabit erhebt sich jetzt ein gelber Klotz einer Spedition. Beim Gestalten der Fassaden könne man immer nur versuchen, die Bauherren zu ansprechenden Lösungen zu überreden, sagte Gothe. Gelungen sei dies zum Beispiel zumindest bei der Straßenseite eines Baumarkts auf dem Bahngelände in Moabit. Bei einem weiteren Gebäude sei inzwischen auch der Bauherr ganz zufrieden, dass er sich auf Drängen des Bezirksamts für eine gestaltete Fassade entschieden habe.

In Moabit profitieren aber auch die Anwohner von der Aufgabe des Bahnbetriebs. Eine neue Umgehungsstraße auf dem ehemaligen Bahngelände entlaste den Verkehr in Moabit Nord, sagte Gothe. Außerdem ist ein Park geplant.

Den größten Widerstand gegen neue Supermärkte oder Möbelhäuser haben bisher meist Anwohner geleistet – mit und ohne Erfolg. An der Heilbronner Straße und der Gervinusstraße in Charlottenburg konnten trotz Protesten von Anwohnern mehrere Discounter ihre Einheits-Flachbauläden hinstellen. In Zehlendorf dagegen ist es Anwohnern mit ihren Protesten gelungen, den Bau eines Supermarktes am Pfeddersheimer Weg nahe der Potsdamer Chaussee zu verhindern. Auch Pläne, auf dem Güterbahnhof in Halensee ein Möbelhaus zu bauen, wurden durch Anwohner gestoppt.

Auch die BVG hat bereits zahlreiche ehemalige Betriebshöfe für den Bus oder die Straßenbahn verscherbelt. Meist sind die neuen Nutzer aber in die alten Bauten gezogen, die sie aufwendig saniert haben – wie etwa das Meilenwerk für Oldtimer-Autos an der Wiebestraße in Moabit.

Und auch die Bahn hat immerhin ein Vorzeigeobjekt mit der O2-Arena am Ostbahnhof, um die herum ein neues Stadtviertel entstehen soll. Mit ansprechenden Gebäuden.

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