Streit um Grundstücksvergabe : Graft und Jette Joop wollen in Mitte bauen

Die eigene Fraktion kritisiert den linken Wirtschaftssenator Harald Wolf für dessen Pläne, Baugrundstücke an ein Architekturbüro und eine Modedesignerin zu vergeben.

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Noch nichts entschieden: Zu dem "schwebenden Verfahren" will man sich im Hause Joop nicht äußern.
Noch nichts entschieden: Zu dem "schwebenden Verfahren" will man sich im Hause Joop nicht äußern.Foto: DPA

Ohne Ausschreibung wollen Senat und Liegenschaftsfonds eines der letzten großen Baugrundstücke in der Rosenthaler Vorstadt vergeben. Nutznießer der Ausnahmeregelung sollen Jette Joop, Tochter von Modezar Wolfgang, sowie das Architekturbüro Graft werden. Sie könnten dann über ein Areal verfügen, auf dem nach Plänen des Bezirks sechs Blöcke entstehen könnten mit einer Fläche von 7500 Quadratmetern. Die Direktvergabe wird im „Steuerungsausschuss“ des Liegenschaftsfonds vorangetrieben. Darin sitzen Vertreter der Senatsverwaltungen für Finanzen, Wirtschaft und Stadtentwicklung sowie der Bezirk. Begründen will der Senat die Entscheidung nicht.

„Ausschlaggebend war das Votum der Senatsverwaltung für Wirtschaft“, heißt es beim landeseigenen Liegenschaftsfonds. Das stamme aus dem Jahr 2008. Damals sei der Deutsche Chorverband als Partner dabei gewesen. Es handle sich um eine „Unternehmensansiedlung von wirtschaftspolitischer Bedeutung für ganz Berlin“. Beim Suhrkamp Verlag, der Pharmafirma Bausch & Lomb und der koreanischen Botschaft wurde ähnlich argumentiert. Der Chorverband sprang aber wieder ab. Dennoch „begrüße“ die Senatswirtschaftsverwaltung das Konzept von Jette und Graft. Der Steuerungsausschuss wollte die Vergabe bereits am 19. Januar beschließen – doch der Bezirk stellte sich quer. Er dürfte in der nächsten Sitzung aber überstimmt werden.

Zugeknöpft gibt man sich bei Jette – „zu dem schwebenden Verfahren äußern wir uns nicht“ – und bei Graft: „Das Projekt ist im Prozess. Es ist zu früh, darüber zu berichten.“ Das Büro wurde durch die Zusammenarbeit mit Hollywood-Beau Brad Pitt bekannt. Nun hat es einen nicht minder attraktiven Partner gefunden: Modedesignerin Jette Joop. Unter ihrem Label firmiert in der Oranienburger Straße 86 A ein „Jette Concept Store“. Dort gibt es auf 340 Quadratmetern Gold- und Silberschmuck, Uhren und Parfum, Kleidung und andere Designstücke.

Wirtschaftssenator Harald Wolf stößt bei seiner Entscheidung für Jette und Graft nun aber auf Widerstand in der eigenen Fraktion: „Wir fordern die Steuerungsrunde auf, die Grundstücke nach den vom Abgeordnetenhaus beschlossenen Grundsätzen der Vergabepolitik des Landes zu vergeben“, fordern der Parlamentarische Geschäftsführer Uwe Doering, der stadtentwicklungspolitische Sprecher Thomas Flierl sowie die haushaltspolitische Sprecherin Jutta Matuschek, heißt es in einem Schreiben aus der Fraktion. Die Vergabepolitik des Landes sieht die Bereitstellung von Flächen für den Wohnungsbau vor, um die Mietenexplosion zu bremsen. Dazu eignet sich der Block Invalidenstraße, Ecke Ackerstraße dem Bezirk zufolge geradezu ideal – und die Linke unterstützt dessen Pläne.

„Joop und Graft können in unserem Konzept auch zum Zuge kommen“, sagt Baustadtrat Ephraim Gothe. Aber Mitbewerber aus der Kreativwirtschaft müssten auch eine Chance bekommen. Deshalb schlägt Gothe ein „transparentes Vergabeverfahren“ vor und teilt das Areal in sechs Grundstücke auf: Die beiden ersten an der verkehrsreichen Invalidenstraße könnten zu 70 Prozent mit Büroflächen für Kreative bebaut werden. Wohnhäuser sollten auf den vier anderen Grundstücken an der Ackerstraße entstehen. Ein Grundstück könnte für Baugemeinschaften ausgeschrieben werden und zwei für Investoren, die günstigen Wohnraum in den mittleren Etagen schaffen, indem sie im Erdgeschoss und unterm Dach Marktmieten verlangen.

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