Studie : Rechte Schläger nehmen Linke ins Visier

Der Kampf der Extremisten wird immer brutaler. Nach einer Studie des Verfassungsschutzes werden Linke in Berlin inzwischen häufiger Opfer von rechten Attacken als Ausländer.

Berlin Hintergrund sei das Erstarken rechtsextremistischer autonomer Aktionsgemeinschaften wie etwa der "Autonomen Nationalisten Berlin" vor allem in östlichen Bezirken. Besonders in Lichtenberg, Niederschöneweide und in Prenzlauer Berg häuft sich die Gewalt gegen Links. Das geht aus dem Bericht "Im Fokus: Rechte Gewalt in Berlin" hervor, den Innensenator Ehrhart Körting (SPD) und Verfassungsschutz-Chefin Claudia Schmid am Donnerstag vorstellten.

Die Behörde hat 300 rechtsextremistisch motivierte Gewaltverbrechen aus den Jahren 2003 bis 2006 ausgewertet und mit Zahlen für die Jahre 1998 bis 2003 verglichen. Die Untersuchung bestätigt, dass sich der Kampf zwischen den Extremen des politischen Spektrums in Berlin verschärft hat. Zuletzt hatte der Verfassungsschutzbericht für 2006 auf ein hohes Niveau auch bei linksextremistischer Gewalt gegen politische Gegner hingewiesen. Beide Seiten schaukelten sich gegenseitig hoch, sagte Schmid. Nach Beobachtungen der Polizei unterscheiden sich Rechts und Links dabei kaum in ihrer Brutalität.

Trend zu mehr Einzeltätern

Rechte Gewalt sei vor allem dort ein Problem, wo die NPD Wahlerfolge erziele, sagte Körting. "Die NPD schafft mit ihrer verfassungs- und ausländerfeindlichen Propaganda das Klima für solche Taten".

Nach der Statistik verläuft ein rechter Übergriff typischerweise so: Zwei bis drei Rechtsextreme im Alter von 15 bis 24 Jahren sind am Wochenende abends in ihrem Wohnbezirk unterwegs und trinken Alkohol. Dabei treffen sie zufällig auf einen einzelnen Gleichaltrigen, den sie zwar nicht kennen, wegen seines Äußeren aber für einen Linken oder einen Ausländer halten. Sie schlagen und treten auf ihr Opfer ein. "Man will sein Umfeld, sein Revier verteidigen und den Feind angreifen", erklärte Verfassungsschutz-Chefin Schmid. Dabei gebe es einen Trend zu mehr Einzeltätern.

Körting: Pankow hat Schwein gehabt

Jeder fünfte Fall rechter Gewalt im Zeitraum trug sich in Lichtenberg zu, insbesondere im Weitlingkiez nahe dem Bahnhof Lichtenberg. Danach folgen die Bezirke Pankow und Treptow-Köpenick. Im Bezirk Pankow lagen die Tatorte häufig entlang der großen Straßen im Szenestadtteil Prenzlauer Berg, der auch bei Touristen beliebt ist. Dass dies bislang wenig thematisiert wurde, deutete Körting so: "Pankow hat bisher Schwein gehabt in der öffentlichen Berichterstattung." Im Westteil Berlins sticht laut Studie der Neuköllner Ortsteil Rudow bei rechter Gewalt hervor.

Beim Profil der Tatverdächtigen bestätigt die neue Untersuchung die Vorgängerstudie: Häufige Merkmale sind ein niedriger Bildungsstand, Arbeitslosigkeit und eine kriminelle Vorgeschichte. Nur wenige Verdächtige haben demnach schon ein verfestigtes rechtsextremistisches Weltbild. In wichtigen Teilaspekten seien Parallelen zur unpolitischen Jugendgewalt sichtbar. (küs/dpa)

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