Studie : Schon Elfjährige kaufen Schnaps im Supermarkt

Mehr als jeder zehnte Berliner Jugendliche unter 16 Jahren trinkt, wie eine neue Studie belegt. Mit dem Alkoholkonsum beginnen sie erstaunlich früh. Polizei und Bezirke haben ihre Kontrollen in Kneipen verstärkt.

Christoph Stollowsky

Mehr als die Hälfte der Berliner Jugendlichen im Alter zwischen 11 und 15 Jahren hatte schon mal einen Schwips oder war regelrecht betrunken, jeder zehnte dieser Gruppe trinkt mehrmals pro Woche Alkohol: Und 15 Prozent der unter 16-Jährigen konsumieren sogar hin und wieder hochprozentige Spirituosen.

Das geht aus einer am Montag vorgestellten Studie der Berliner Fachstelle für Suchtprävention hervor. Intensiv befragt wurden dafür im Sommer 2008 insgesamt 178 Jugendliche aus allen Bezirken und sozialen Schichten. Das reiche zwar für ein repräsentatives Ergebnis nicht aus, man habe aber durch die gesammelten Originaltöne detaillierte Erkenntnisse über den Umgang von Kindern und Jugendlichen mit Alkohol gewonnen, sagte Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke). Ihr Fazit: „Es wird viel zu früh und zu viel getrunken.“

Die Senatorin verwies in diesem Zusammenhang auf die zunehmende Zahl sturzbetrunkener Jugendlicher, die von der Polizei aufgesammelt werden. Im Jahr 2007 waren es 335 Heranwachsende, 2008 registrierte die Polizei 1209 solcher Einsätze und in diesem Jahr schon 1083 Fälle.

"Nach einer Flasche Wodka muss ich aufhören"

Diese Exzesse machen aus Sicht der Leiterin der Fachstelle für Suchtprävention, Kerstin Jüngling, klar, „wohin es letztlich führt , wenn Alkohol von vielen Erwachsenen eher verherrlicht als problematisiert wird und Eltern bei ihren trinkenden Sprösslingen weggucken.“ Es sei „erschreckend“, dass jeder zweite befragte Jugendliche angab, seine Eltern würden kaum oder nie mit ihm über Alkohol sprechen. „Höchstens werde ich gefragt, ob ich getrunken habe“, lautete die häufigste Antwort. Dabei wünschten sich die meisten Kinder und Jugendlichen offene Gespräche, allerdings ohne Anklage, sagt Jüngling. Sie wollten auch Grenzen gesetzt haben. Unbegrenzte Freiheit werteten sie als Desinteresse der Eltern. Wohin das führt, zeigt die Einschätzung einer 14-Jährigen: „Ich weiß, dass ich spätestens nach einer Flasche Wodka aufhören muss.“

Nach den Ergebnissen der Studie versorgen sich bereits die Elf- bis 15-Jährigen, die laut Jugendschutzgesetz überhaupt keinen Alkohol erwerben dürfen, in Supermärkten und kleineren Läden mit Bier, Wein oder Hochprozentigem für ihre Partys. Kneipen spielen eine geringe Rolle. Um das Gesetz durchzusetzen, hätten Polizei und Bezirke ihre gemeinsamen Kontrollen im Handel und der Gastronomie seit 2008 verstärkt, sagte Senatorin Lompscher. Im vergangenen Jahr gab es laut Lompscher 137 solche Einsätze. Dabei wurden 547 Geschäfte und Lokale überprüft und 309 Anzeigen geschrieben. Bis Juni 2009 rückten die Behörden schon mehr als 80 Mal aus, kontrollierten 547 Orte und erstatteten 127 Anzeigen.

Dass die Polizei inzwischen jeden aufgegriffenen alkoholisierten Heranwachsenden dem Jugendamt seines Bezirks meldet, ist aus Sicht der Senatorin ein „ganz wichtiger Schritt“. Die Ämter schreiben danach in der Regel den Eltern einen Brief – und bieten ihnen vielerlei Hilfen an.

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