Tiergarten : Asylbewerberheim in Mitte nur befristet

Die Senatsverwaltung hat das Hostel am Schöneberger Ufer zum Asylbewerberheim erklärt. Ab März 2011 soll es laut Senat wieder als Hostel genutzt werden.

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Als Hostel erhielt das „Apartmenthaus am Potsdamer Platz“ zuletzt denkbar schlechte Noten von Gästen – nun sollen Asylsuchende dort unterkommen. Die „123berlinzimmer.de GmbH“ hat das Gebäude am Schöneberger Ufer in Tiergarten der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales zur Verfügung gestellt. Bis zu 285 Asylsuchende sollen, wie berichtet, in den 100 Ein- bis Vierbettzimmern leben. Seitdem der Hostelbetrieb Ende September auslief, wird das neue „Heim“ nun schrittweise belegt.

Im Bezirk zeigt man sich von der Entwicklung besorgt. „Bei der beengten Situation sind Konflikte programmiert“, ist sich Quartiersmanager Michael Klinnert sicher. Schulrat Detlev Thietz monierte am Montag die ungünstige Situation in der benachbarten Grundschule Tiergarten-Süd. Die hat bereits seit einigen Wochen immer wieder mit Zuweisungen von Asylbewerberkindern ohne jegliche Deutschkenntnisse zu kämpfen. Bereits in der Vorwoche nannte Mittes Bezirksbürgermeister Christian Hanke (SPD) die Immobilie ein „heruntergekommenes Gästehaus“, die Einquartierung im von Straßenprostitution gebeutelten Kiez „ungünstig“.

Die zuständige Senatsverwaltung wies indes den Vorwurf Hankes zurück, sie wolle den Aufenthalt der Asylbewerber bewusst unangenehm gestalten, um Wirtschaftsflüchtlinge zu einer Rückkehr in ihre Heimatländer zu bewegen: „Wir suchen derzeit händeringend nach Unterkünften, um den Rechtsanspruch der Flüchtlinge überhaupt erfüllen zu können“, sagte Sprecherin Anja Wollny gestern. Bei dem von Hanke monierten Abrücken von der Praxis, Asylbewerber in Sozialwohnungen unterzubringen, handele es sich mitnichten um politischen Willen. Das Problem sieht Wollny eher darin, dass sich der Wohnungsmarkt verschlechtert hat, die Zahl der Flüchtlinge aber stark gestiegen ist. Nach einer Phase des Rückgangs seien allein in den ersten neun Monaten 1300 Flüchtlinge nach Berlin gekommen, so viele wie im gesamten Jahr 2010, sagte die Behördensprecherin. Deshalb mussten berlinweit kurzfristig mehrere Hostels gemietet werden. Dies erfolgte allerdings nur für eine begrenzte Zeit – und hier sieht die Senatsverwaltung eine bewusste Fehlinformation des Bezirksbürgermeisters: „Ab März ist das Haus wieder ein normales Jugendhotel“, sagte Wollny. Dies sei, anders als von Hanke kommuniziert, neben allen anderen Details auch frühzeitig an den zuständigen Bezirksstadtrat Stephan von Dassel (Grüne) weitergegeben worden. „Wenn das bei Herrn Hanke nicht angekommen ist, ist das nicht unser Problem.“ Weder Hanke noch Dassel waren für eine Stellungnahme zu erreichen.

Ein anderes Problem der kurzfristigen Einquartierung scheint derweil gelöst: An der Grundschule Tiergarten-Süd sind laut Schlurat Thietz gesonderte Lerngruppen für die Asylbewerberkinder eingerichtet worden. Die Schulaufsicht sicherte zusätzliche Personalmittel zu.

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