Tierschutz : Berliner Senat will Wildtiere im Zirkus verbieten

Keine Affen, Elefanten oder Tiger mehr im Zirkus: Gesundheitssenatorin Lompscher will Wildtiere aus der Manege verbannen. Doch verbieten können das nur die Bezirke – oder der Bund. Was denken Sie darüber? Diskutieren Sie mit!

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Der Affe soll weg. Das Rhesusäffchen ist ein Wildtier, es soll in Berlin Auftrittsverbot bekommen. Bisher fehlt es allerdings an einer Regelung.
Der Affe soll weg. Das Rhesusäffchen ist ein Wildtier, es soll in Berlin Auftrittsverbot bekommen. Bisher fehlt es allerdings an...Foto: Thilo Rückeis

Berlin Ein Zirkus ganz ohne Tiere? Das gibt es, es kann sogar sehr erfolgreich sein, wie man am kanadischen „Cirque du Soleil“ sieht. Wenn es nach Gesundheitssenatorin Katrin Lompscher (Linke) geht, soll es diese Art Zirkus bald nur noch geben. Ihrer Meinung nach sollen Wildtiere in der Manege verboten werden, da es nicht möglich sei, sie artgerecht zu halten. „Das Verbot soll sich besonders auf Affen, Elefanten, Giraffen, Nashörner, Raubkatzen, Delfine, Seelöwen und Flusspferde erstrecken“, teilte die Senatorin mit.

Das Problem ist allerdings: Berlin kann ein solches Verbot alleine gar nicht aussprechen. Das Tierschutzgesetz ist ein Bundesgesetz, eine landesrechtliche Regelung ist nicht möglich. Schon 2003 hat Berlin einer Entschließung des Bundesrats zum „Verbot der Haltung bestimmter wildlebender Tierarten in Zirkussen und zur Errichtung eines Zentralregisters“ zugestimmt. Doch dann geschah nichts weiter; die Bundesregierung als Verordnungsgeberin hatte rechtliche Bedenken und setzte die Entschließung nicht um.

Deswegen will sich Senatorin Lompscher jetzt anders behelfen: Sie will Zirkussen, die Wildtiere mitführen, die Standerlaubnis verweigern. Nur ist sie auch dafür nicht zuständig – es ist Sache der Bezirke. Deshalb hat sie alle Bezirksbürgermeister angeschrieben und um Unterstützung gebeten. In dem Schreiben heißt es: „Berlin könnte ein wichtiges tierschutzpolitisches Zeichen setzen, wenn auch die (…) Bezirke nur Standplätze an Zirkusse vergeben würden, die auf das Mitführen von Tieren der genannten Arten verzichten.“

Beim Circus Krone ist man empört. Sprecher Frank J. Keller sieht darin ein Berufsverbot und würde klagen: „In Chemnitz hatten wir das bereits. Wir haben beide Instanzen 2008 gewonnen und 2009 erfolgreich in der Stadt gastiert.“ Der Circus Krone, nach eigenen Angaben der größte Zirkus Europas, hat laut Keller eine Meinungsumfrage in Auftrag gegeben. Ergebnis: „85 Prozent der Befragten wollen im Zirkus Tiere sehen, besonders Raubtiere, Pferde und Elefanten“.

Für Lompschers Sprecherin Marie-Luise Dittmar sind Zirkusse mit Wildtieren eine Sache aus dem vorvorigen Jahrhundert, als die Menschen sich noch nicht die Welt anschauen konnten. Heute seien Tiernummern nicht mehr nötig.

Die Bezirke haben allerdings nur Zugriff auf städtische Flächen. Zirkusse könnten dann immer noch ihre Zelte auf Privatgrundstücken aufschlagen; das kann niemand unterbinden. „Hinter einem großen Baumarkt hier bei uns gastieren öfter mal welche“, heißt es zum Beispiel aus Treptow-Köpenick. Aber auch auf öffentlichen Flächen genehmige man in der Regel, wenn die gesetzlichen Vorgaben eingehalten würden.

Veterinäre haben 2009 rund 200 Verstöße bei gastierenden Zirkussen festgestellt, bestätigt der Landestierschutzbeauftragte Klaus Lüdcke. Der Circus Krone sei noch einer der besten. „Viele andere Länder haben das Wildtierverbot längst“, sagt Lüdcke. Tierarzt Lüdcke schreibt auch Zirkussen Briefe, dass sie hier nicht erwünscht sind. Bei Roncalli hat es funktioniert. „Roncalli ist ohne Tiere erfolgreich“, sagt Lüdcke. „Aber dann wollten die mit drei Seelöwen kommen. Da habe ich protestiert.“ Roncalli strich den Auftritt. Letzten Winter wollten sie mit Eisbären gastieren. Es gab Widerstand. Schließlich kamen stattdessen Eisbär-Roboter. Es wurde ein Renner.

Keine Affen, Elefanten oder Raubkatzen mehr im Zirkus: Gesundheitssenatorin Lompscher will Wildtiere aus der Manege verbannen. Doch verbieten können das nur die Bezirke – oder der Bund. Was denken Sie darüber? Diskutieren Sie mit!

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