Umwelt : Berlin vs. Hamburg: Konkurrenz um Klimaschutz

Die Stadt an der Elbe will zum umweltfreundlichen Vorbild in Deutschland werden. Der Berliner Senat sieht die Hauptstadt jetzt schon an der Spitze.

Klaus Kurpjuweit
Solarzellen
Klimaschutzhauptstadt Hamburg? Der Senat findet nicht, dass die Berliner Aufholbedarf haben. -Foto: Langrock/Zenit

Hat Hamburg im ewigen Wettstreit mit Berlin jetzt auch beim Klimaschutz die Nase vorn? Bürgermeister Ole von Beust (CDU) will die Stadt an der Elbe jedenfalls zur „Klimaschutzhauptstadt“ Deutschlands machen – und das, ohne eine Umweltzone mit Fahrverboten für bestimmte Autos zu erlassen. In Berlin reagierte der Senat gelassen. „Wir brauchen uns nicht zu verstecken“, ließ der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD). Berlin bleibe bei der Klimapolitik führend, konterte auch die Sprecherin der Umweltverwaltung, Regina Kneiding. Ihre Kollegin Manuela Damianakis von der Stadtentwicklungsverwaltung bezeichnete die Hamburger Pläne als „hübsches Ei“.

Hamburg will nach einem Bericht im „Hamburger Abendblatt“, zu dem sich ein Senatssprecher nicht äußern wollte, unter anderem vier autofreie Sonntage im Jahr einführen – auf freiwilliger Basis, aber verbunden mit Freifahrten bei Bahnen und Bussen. Um den Nahverkehr generell attraktiver zu machen, sollen Bahnen und Busse häufiger fahren. An geeigneten Kreuzungen will der Hamburger Senat ferner Ampeln abbauen und stattdessen einen Kreisverkehr einführen. Wo Ampeln unverzichtbar sind, sollte durch eine „intelligente Schaltung“ die Wartezeiten der Autos – und damit der Schadstoffausstoß – verringert werden.

Autofreie Sonntage will der Senat in Berlin nicht propagieren. Vier solche Sonntage auf freiwilliger Basis könnten auch nur ein Alibi sein, sagte Jörg Becker vom ADAC. Und für mehr Kreisverkehre und optimierte Ampelschaltungen setze sich der ADAC schon seit Jahren ein – bisher aber vergeblich. Statt Freifahrten mit Bahnen und Bussen an vier Tagen im Jahr anzubieten, sollten die Verkehrsbetriebe lieber einen Fahrschein nur für die geplante Umweltzone innerhalb des S-Bahn-Rings einführen.

Anstöße zum Klimaschutz will der Senat in Hamburg auch bei Gebäuden schaffen: Wer seine Häuser und Wohnungen saniert und dabei energieeffizienter macht, soll höhere Zuschüsse als bisher erhalten. Für gut isolierte Wohnungen sei dann aber auch eine höhere Miete zulässig.

Damianakis verwies darauf, dass Berlin in den kommenden Jahren 33 Millionen Euro für eine bessere Energieausnutzung in öffentliche Gebäude stecken werde. Bisher habe man so schon 27 Prozent Energiekosten eingespart, sagte Kneiding. Vorangetrieben werde jetzt die Installation von Solaranlagen auf Dächern von Schulen; bei anderen öffentlichen Gebäuden war man in der Vergangenheit nicht wie geplant vorangekommen. Auch beim Bau von Windkraftanlagen mache Berlin mit. Zudem nehme im September ein aus Fachleuten bestehender Klimaschutzbeirat seine Arbeit auf.

Die Umweltexpertin der Grünen, Felicitas Kubala, will sich damit nicht zufrieden geben: Der Senat erwecke stets hohe Erwartungen, setze aber nur wenig um. Doch auch Hamburg müsse erst noch beweisen, dass es besser sei, sagte Kubala.

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