Verkehr : Wege aus Berlins Schilderwald

Hamburg malt Markierungen an die Bordsteinkante - das heißt: Achtung, Halteverbot! Berlins Stadtverwaltung schaut gespannt auf das Experiment. Taugt es auch für die Hauptstadt?

Klaus Kurpjuweit

BerlinWas andere Länder bereits erfolgreich praktizieren, wird jetzt auch in Deutschland erprobt: Farbe gegen den Schilderwald. An Straßen mit Parkverbot ersetzen dann farbige Markierungen die herkömmlichen Schilder. Auch Berlin hat jetzt im Bund-Länder-Fachausschuss einem solchen Modellprojekt in Hamburg zugestimmt. Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) steht einem solchen Versuch „offen gegenüber“, wie sie dem Tagesspiegel sagte.

Eine durchgehende farbige Linie am Rand des Gehwegs oder der Fahrbahn bedeutet dann, dass das Halten und Parken an dieser Stelle verboten ist. Bisher wird dies durch das Schild für ein absolutes Halteverbot angezeigt.

ADAC befürwortet Modellversuch

Eine unterbrochene Linie symbolisiert hingegen das eingeschränkte Halteverbot, das das Halten über drei Minuten verbietet. Ausgenommen davon ist das Ein- und Aussteigen sowie das Be- und Entladen.

Die Streifen sollen gelb sein. Andere Farben wie Blau oder Rot sind verworfen worden. Markierungen dieser Art gibt es unter anderem in Spanien, England, Irland, Italien oder in den Vereinigten Staaten, wo sich zum Beispiel New York für Blau entschieden hat.
Jeder Farbstreifen ersetzt zumindest zwei Schilder, die immer am Anfang und am Ende des Halteverbotsbereichs stehen müssen. Weniger Schilder verbessern nicht nur das Stadtbild; Autofahrer können sich dann auch besser auf die verbleibenden Schilder konzentrieren, weil die Übersicht einfacher wird, argumentieren Experten. Der ADAC, der sich seit Jahren dafür einsetzt, den Schilderwald an den Straßen zu lichten, befürwortet den Modellversuch. Insbesondere bei den Halt- oder Parkregelungen sei „weniger mehr", sagte ADAC-Sprecher Michael Pfalzgraf. Zudem zeige die Erfahrung, dass Autofahrer Markierungen und Piktogramme besser akzeptierten als viele oft schwer verständliche Schilder.

Junge-Reyer bleibt kritisch

Farbstreifen könnte es auch in anderen Bereichen geben. So setzt sich der ADAC dafür ein, Liefer- und Ladezonen orange zu markieren. Würden solche Bereiche für Lieferfahrzeuge freigehalten, wäre das Halten in zweiter Spur kein so großes Problem mehr wie derzeit, ist Pfalzgraf überzeugt.

Voll ersetzen könnten die farblichen Markierungen die Schilder aber nicht überall. Wo das Halteverbot nur befristet gilt – etwa von 6 Uhr bis 8 Uhr am Morgen an staugefährdeten Straßen – , greift das Modell nicht. Dies sieht Junge-Reyer deshalb auch kritisch. Auch müsse gewährleistet sein, dass die Markierungen auch bei schlechtem Wetter zu sehen sind. Bei Schnee dürften sie zudem nicht bedeckt bleiben. Der vorgesehene Test in Hamburg müsse auch zeigen, ob das Stadtbild durch die Farbe am Straßenrand beeinträchtigt wird.
Besonders weit waren hier einst die Nordiren gegangen. In protestantischen Wohngebieten wurden Randsteine oft mit den Farben der englischen Flagge gestrichen. Mit dem Ende des Konflikts mit den Katholiken sind diese – politischen – Markierungen allerdings wieder weitgehend verschwunden. Jetzt dominieren auch dort wieder die gelben Halteverbotsstreifen.

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