Verkehr : Zu unpünktlich - Senat will S-Bahn bestrafen

Mit einem Strafgeld für die Berliner S-Bahn will der Senat gegen die Verzögerungen im Stadtverkehr vorgehen. Nach Zahlen des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg sind fast zehn Prozent der Züge unpünktlich.

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Fast jede zehnte Berliner S-Bahn verkehrt nicht nach Plan. -Foto: dpa

BerlinDie Unpünktlichkeit ihrer Züge soll die S-Bahn in Zukunft teuer zu stehen kommen. Der Senat will in diesem Jahr zum ersten Mal den Zuschuss kürzen, wenn die Verspätungen nicht spürbar zurückgehen, berichtete die "Berliner Zeitung" am Mittwoch. "Wir werden eine Pönale festsetzen - also ein Strafgeld", sagte die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) dem Blatt.

Allein für die Zugverspätungen, die es von Januar bis Ende Juli gegeben habe, muss die Zahlung nach Angaben der Senatorin bereits um 2,3 Millionen Euro verringert werden. "Die Pünktlichkeit der S-Bahn hat nachgelassen. Das ist ein großes Problem", sagte Junge-Reyer. Während des ersten Halbjahres seien weniger als 93 Prozent der Fahrten pünktlich gewesen.

Drei Minuten Abweichung sind erlaubt

Eine S-Bahn gilt als pünktlich, wenn sie genau nach Fahrplan verkehrt oder um maximal drei Minuten davon abweicht. Anhand von Daten, die von der S-Bahn übermittelt werden, errechnet der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) den Pünktlichkeitsgrad. Der Senat kann dann entscheiden, ob er den Bundeszuschuss in voller Höhe an die S-Bahn weiterreicht.

Eine Kürzung ist laut Verkehrsvertrag möglich, wenn weniger als 96 Prozent der S-Bahn-Züge pünktlich sind. Bleibe die Pünktlichkeit weiterhin unter dem vereinbarten Wert, werde das S-Bahn-Entgelt in Höhe von 227,9 Millionen Euro erstmals gekürzt, so die Senatorin.

Auch Kritik von den Grünen

Die Grünen halten die vom Senat angekündigten finanziellen Sanktionen gegen die S-Bahn Berlin GmbH wegen Unpünktlichkeit für unzureichend. Für die Fahrgäste, die die Leidtragenden von Verspätungen seien, müssten auch Erstattungen durchgesetzt werden, sagte die verkehrspolitische Sprecherin der Grünen, Claudia Hämmerling.

Hämmerling bemängelte zudem fehlendes Servicepersonal und verschmutzte Züge. Als Gründe für die Missstände nannte sie den geplanten Börsengang der Deutschen Bahn AG. Die S-Bahn als Bahn-Tochter sei seither kein fahrgastorientiertes Unternehmen mehr, sondern ein börsenorientiertes. Die Grünen-Politikerin forderte, das Monopol der Deutschen Bahn zu brechen und nach dem Vorbild Brandenburgs die Bahntrassen auszuschreiben. (ah/ddp)

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