Wahlkampf in Berlin : Frank Henkel: Fels in der Pfütze

Nah am Volk: Der frisch gekürte CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel watet in einem nassen Keller des Rudower Blumenviertels in den Wahlkampf. Regelmäßig stehen dort Räume unter Wasser, getan wird wenig.

von
Deichgraf, eins tiefer: Gisela Kirste zeigt Frank Henkel ihren Wassersauger. Zehn Eimer Grundwasser saugt sie damit täglich auf – und das schon seit November.
Deichgraf, eins tiefer: Gisela Kirste zeigt Frank Henkel ihren Wassersauger. Zehn Eimer Grundwasser saugt sie damit täglich auf –...Foto: Georg Moritz

Bei Familie Kirste steht Wasser im Keller, und nicht nur dort. Das Rudower Blumenviertel säuft ab, wieder einmal, die Bewohner sind aufgebracht und sehen die Politik in der Pflicht. CDU-Spitzenkandidat Frank Henkel steht wie ein Felsen in der Pfütze. Der Abgeordnete Sascha Steuer hat ihn hergebracht. Als Spitzenkandidat kann man nicht nur Glitzertermine machen, das geht erst als Bürgermeister. Ein Kandidat muss auch mal in die Niederungen, etwa in diesen Keller, durch einen rustikal holzgetäfelten Flur mit braun geflammtem Fliesenboden, vorbei an allerhand Schmiedeeisernem, dann treppab. Kleinbürgerlich ist es hier, eine ordentliche Gegend. „Ist eine schöne Ecke“, sagt Henkel draußen, bevor es hineingeht.

Er schaut sich die Lage an, hört den Betroffenen zu. Sagen muss er fast nichts, das Sprechen hat Bernt Dehmel übernommen, der sich in Fahrt redet. „An Wowereit haben wir schon zwei Mal geschrieben, aber keine Antwort bekommen“, ruft er und erinnert sich an die Zeit unter dessen Vorgänger Eberhard Diepgen (CDU). „Der war ein Bürgermeister zum Anfassen, er hat sich stark für uns eingesetzt.“

Henkel lächelt. Hier ist er richtig.

Das Problem der nassen Keller in Rudow ist nicht neu. Das Blumenviertel liegt im Berliner Urstromtal. „Die Häuser stehen im ehemaligen Überschwemmungsgebiet der Spree“, erklärt Dehmel. „Die Gebiete wurden in den Fünfzigern trockengefördert und zu Bauland gemacht. Man wollte verhindern, dass noch mehr junge Leute in den Westen gehen.“ Wird der Wasserstand nicht künstlich gesteuert, laufen die Keller voll. Richtig schlimm war es zuletzt 1994; damals gründete sich die Bürgerinitiative, die bis heute kämpft. Der schwarz-rote Senat baute eine Brunnengalerie, es kehrte wieder Ruhe ein. Die Brunnengalerie pumpt aber nicht mit voller Leistung und weil der starke Herbstregen das Grundwasser hat steigen lassen, sind 850 Keller jetzt wieder voll. Bei Kirstes steht das Wasser nur ein, zwei Zentimeter hoch, bei anderen höher. Aus dem Haus von Umweltsenatorin Katrin Lompscher (Linke) heißt es, die Bürger seien selbst dafür zuständig, ihre Keller trockenzulegen. Das regt hier alle auf.

Henkel kennt das Problem. „Die Politik kann nicht zuschauen, wie ein ganzes Viertel absäuft“, sagt er. „Das ist unhaltbar. Zumal es hier nicht um etwas Unmögliches geht, sondern um politischen Willen.“ Versprechen kann er nichts, nur dass er sich drum kümmern will. Dann muss er ins Abgeordnetenhaus zu einer Besprechung.

9 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben