Wettbewerb : Berliner Architekten bauen die Mauergedenkstätte

Der internationale Wettbewerb zur Erweiterung der Mauergedenkstätte in Berlin-Mitte ist entschieden. Die Jury, die unter 47 Beiträgen auswählen konnte, würdigte die Arbeit der Berliner Architektengruppe als "Entwurf aus einem Guss".

Christina Schultze[ddp]
Mauer
Das Siegermodell. Die Architektengemeinschaft Christian Fuchs, Henner Winkelmüller, AW Faust und Luis Mola (v.l.) an der Bernauer...Foto: dpa

Berlin Aus 47 eingereichten Arbeiten ging der Entwurf eines Berliner Teams von Architekten, Landschaftsarchitekten und Ausstellungsgestaltern siegreich hervor. Die Erinnerungslandschaft soll zum 50. Jahrestag des Mauerbaus 2011 fertiggestellt werden. Die Gesamtkosten werden auf 28 Millionen Euro veranschlagt.

Der Entwurf sieht vor, den Infopavillon an der Bernauer Ecke Gartenstraße auf zwei Ebenen zu errichten, die zueinander leicht versetzt sind. Die Fassade soll aus einem speziellen Stahl bestehen, der sich durch eine rostige Oberfläche auszeichnet. Der Pavillon mit Seminarräumen, Filmvorführungssaal und Café ist als "Eingang" zu dem Gedenkstättenensemble gedacht, das bisher aus der Mauergedenkstätte, der Kapelle der Versöhnung und dem Dokumentationszentrum besteht.

Große Open-Air-Ausstellung

Mauergedenkstätte
Der Infopavillon an der Bernauer Straße. -Foto: ddp

Erweitert wird der Komplex durch eine 45.000 Quadratmeter große Open-Air-Ausstellung zwischen Brunnenstraße und Nordbahnhof. Dabei sollen die Lücken in den Original-Mauerresten laut Entwurf durch einen begehbaren "Stelenvorhang" geschlossen werden, um den Mauerverlauf erlebbar zu machen. Außerdem sind dort Infostelen und ein "Fenster der Erinnerung" zum Gedenken an die Mauertoten geplant. Ehemalige Fluchttunnel, Hinterlandmauer und Postenweg werden ebenfalls markiert. Alle Elemente bestehen aus dem gleichen Stahl, der für den Pavillon verwendet wird und mit der Gedenkstätte korrespondiert.

Senatsbaudirektorin Regula Lüscher bezeichnete den Siegerentwurf als "außerordentlich schlüssige Arbeit". Es sollte ein Ort geschaffen werden, der "der Wunde gerecht wird" und dafür sorge, dass "Geschichte nicht vergessen wird". Zwar sollte die Trostlosigkeit und Gefahr dieses Raums dargestellt, aber nicht der Horror inszeniert werden, sagte die Jury-Vorsitzende Donata Valentien. Diese schwierige Balance habe der erste Preisträger gut bewältigt.

Eröffnung am 20. Jahrestag

Kulturstaatssekretär André Schmitz begrüßte die Entscheidung der Jury. Schon jetzt sei das Areal die meistbesuchte Gedenkstätte zur DDR-Geschichte. Diesem Interesse werde künftig durch eine dem Thema angemessene Präsentation der letzten erhaltenen innerstädtischen Mauerstreifen noch besser entsprochen werden können.

Der Pavillon soll anlässlich des 20. Jahrestags des Mauerfalls am 9. November 2009 eröffnet werden. Das sei ein anspruchsvolles Ziel, sagte Rainer Klemke von der Kulturverwaltung. Bisher sind von den 52 Grundstücken, die für die Umsetzung des Projekts gebraucht werden, erst sechs im Landesbesitz. Ein Teil muss vom Bund übertragen, ein Teil von privaten Eigentümern gekauft werden. Allein das kostet 14,5 Millionen Euro. Weitere 12 Millionen Euro fließen in den Bau des Infopavillons und der Ausstellung. Letztere werde wegen bedeutender Bodenfunde um 800.000 Euro teurer als ursprünglich geplant. Auch für die Infostelen müssen 80.000 Euro mehr bereitgestellt werden.

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