Wiederholungs-Test : Für Mathe auf die Straße

Berliner Schüler demonstrieren heute erneut für eine bessere Benotung. Außerdem gibt es wieder einmal Gerüchte über einen Betrug bei der Wiederholungs-Klausur. In Mails und Briefen sollen die Lösungen verschickt worden sein.

Tanja Buntrock

Heute haben Berlins Schüler die Qual der Wahl. Es treten gegeneinander an: Die Schülerdemo gegen die Deutsche Nationalelf. Der Protestmarsch der Schüler soll um 14 Uhr am Roten Rathaus beginnen und am Brandenburger Tor enden. Gekämpft wird für eine noch freundlichere Bewertung der Mathematik-Wiederholungsprüfung für den mittleren Schulabschluss (MSA). Doch fast zeitgleich, nämlich ab 14.30 Uhr, sollen auch unsere Kicker mit Bundestrainer Jogi Löw auf der Fanmeile am Brandenburger Tor eintreffen: Gefeiert wird das Ende der EM – egal, wie das Finalspiel ausgegangen ist.

Die Demoleitung war jedoch im Vorfeld recht optimistisch und hat schon einmal 7000 Teilnehmer bei der Polizei angemeldet. „Ob die alle wirklich kommen, können wir nur hoffen. Aber es werden wohl viele zur Fanmeile gehen, um die Nationalmannschaft zu sehen“, sagt Christoph Walter von der Demo-Leitung. „Die zweite Mathematikprüfung war schwieriger als die erste. Wenn eine freundlichere Bewertung das einzige ist, was wir erreichen können, dann versuchen wir das auf jeden Fall“, sagte Landesschülersprecher Max Wolter. Bildungssenator Jürgen Zöllner hat die Anweisung gegeben, dass wegen des Wiederholungs-Stresses nicht 50 Prozent, sondern schon 45 Prozent der Punkte für ein Bestehen ausreichen.

Vor allem setzen sich die Schüler jedoch dafür ein, dass die Prüfung nicht noch einmal wiederholt werden muss. Denn erneut sind Gerüchte aufgetaucht, dass auch bei der zweiten MSA-Prüfung geschummelt wurde. Dies behauptet der bildungspolitische Sprecher der CDU, Sascha Steuer. Er sagt, etliche Schüler hätten ihm per E-Mail oder in Briefen berichtet, dass sie die Lösungen des Tests am 23. Juni bereits vor der Prüfung kannten. „Ich habe ungefähr ein Dutzend Nachrichten an die Staatsanwaltschaft zur Prüfung gegeben“, sagte Steuer. Etliche Schüler hätten ihm berichtet, dass sie Mails mit einem Anhang mit den richtigen Lösungen erhalten hätten. Ihm lägen aber nur Mails ohne diesen Anhang vor, sagte Steuer.

Der Sprecher der Schulverwaltung, Bernhard Kempf, sagte, „bislang sieht alles doch sehr nach Gerüchten aus“. Gehört habe die Verwaltung davon zwar auch mehrfach, „doch keiner konnte bislang einen konkreten Beweis liefern“. Kempf betonte, die Verwaltung habe immer wieder appelliert, Beweise zu liefern, „damit wir der Sache nachgehen können“. Doch nach der Klausur habe es – im Gegensatz zur ersten Prüfung – keinen einzigen Hinweis von Schulleitern gegeben, dass diesmal etwas nicht stimmen könnte. 

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