Landespolitik : Wowereit bekennt sich zur Berliner Industrie Regierender Bürgermeister kündigt Grundsatzrede auf Forum mit Unternehmen und Experten an

Ulrich Zawatka-Gerlach

Der Senat will Berlin als Standort einer modernen Industrie stärker profilieren. Dem Vorwurf der Opposition, er vernachlässige das verarbeitende Gewerbe und verlasse sich zu sehr auf den Tourismus und die Kreativwirtschaft, will der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) mit einer Grundsatzrede zur Industriepolitik begegnen. Zusammen mit Wirtschaftssenator Harald Wolf wird ein „Berliner Industrieforum“ vorbereitet, das unter Beteiligung namhafter Unternehmen am 1. November im Roten Rathaus stattfinden soll.

Wowereit will in seiner Rede daraufhinweisen, dass sich die Industrie in Berlin, auch wenn sie nur noch 97 000 Arbeitsplätze bietet, konsolidiert hat und inzwischen wieder wettbewerbs- und expansionsfähig ist. Und er will erneut davor warnen, zwischen Dienstleistungsbranche und gewerblicher Wirtschaft einen künstlichen Gegensatz aufzubauen. Als Gastredner haben die Veranstalter den Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Norbert Walter, gewonnen. Er wird, am Beispiel Berlin, Thesen zur „Bedeutung der Industrie für moderne Metropolen“ in den Raum werfen.

Nach Auffassung Walters bleibt auch im 21. Jahrhundert die industrielle Fertigung ein Kernbestandteil erfolgreicher Wirtschaftsstandorte. Wie kann die Industrie die Standortbedingungen großer Städte nutzen? Welche besonderen Entwicklungspotenziale hat Berlin? Das sind Fragen, die anschließend diskutiert werden sollen. Das Industrieforum im Rathaus wird sich auf drei strategisch wichtige Industriebereiche konzentrieren: Medizin, Chemie und Pharmazie; Metall- und Elektroindustrie; Energie- und Umwelttechnologien.

Eine illustre Auswahl der über 800 Berliner Industrieunternehmen wird sich während des Forums in einer Ausstellung präsentieren: Von Bayer/Schering über BMW, Gillette und Siemens bis zu Solon und Stadler. Für die Diskussion haben etwa 25 Unternehmensvorstände, Wissenschaftler und Verbandsvertreter ihre Teilnahme zugesagt.

Die Industriepolitik ist gerade in Berlin ein heißes Eisen. Seit dem Mauerfall wurden in diesem Kernbereich der Volkswirtschaft über 250 000 Arbeitsplätze abgebaut. Andererseits ist es gelungen, den Umsatz weitgehend zu halten, viele neue Betriebe zu gründen und die überlebenden, stark exportorientierten Unternehmen zu modernisieren. Etwa jeder dritte Industriebeschäftigte in Berlin arbeitet heute in einem Betrieb, der erst nach 1990 errichtet wurde. Trotz gewisser Erfolge mahnt die IHK seit Jahren: Industriepolitik muss Chefsache sein. Senat und Bezirke müssen investorenfreundlicher werden, Steuern und Abgaben in Grenzen halten und die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Wirtschaft energisch vorantreiben.

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