Landgericht : Mord auf der Fischerinsel: Zwei Männer vor Gericht

Ein millionenschwerer Kunde hatte wegen Baumängeln die Geldzahlung verweigert. Um ihre Firma zu retten, sollen zwei Männer deshalb entschieden haben, ihn einfach "beseitigen" zu lassen.

Der Killer wartete an der Uferpromenade an der Fischerinsel. Dort, wo Friedhelm Sodenkamp oft mit seinem Hund unterwegs war. Der 59-jährige Immobilienmakler hatte keine Chance. Schüsse aus nächster Nähe trafen ihn am Abend des 3. November letzten Jahres. Aus Sicht der Ermittler war es ein Auftragsmord, für den sich seit gestern ein Geschäftsführer und sein Bauleiter vor dem Landgericht verantworten müssen.

Es steht fest, dass der 31-jährige Benjamin Lu. und sein 47-jähriger Mitarbeiter Vito L. nicht gut auf Sodenkamp zu sprechen waren. Er hatte dafür gesorgt, dass Gelder für umfangreiche Sanierungsarbeiten wegen angeblicher Mängel nicht flossen. Um 1,3 Millionen Euro soll es gegangen sein. Sodenkamp sei für die beiden Angeklagten ein „Störfaktor“ gewesen, glaubt der Ankläger. Tatsächlich hatte Vito L. zu dem mutmaßlichen Todesschützen in den Wochen vor der Tat Kontakt. Es gab auch einen Auftrag. Der lautete nach Angaben von Vito L. allerdings nicht auf Mord. Es sei „nur von verhauen, aber nie von töten“ die Rede gewesen sei.

Angeblich ging es darum, „Sodenkamp für zwei Wochen ins Krankenhaus zu befördern“. Dafür habe Adam M., ein 41-jähriger Pole, 10 000 Euro zuzüglich Spesen verlangt. L. beteuerte nun, dass er den Auftrag zurückziehen wollte. Adam M. sei wütend geworden, habe ihm gedroht und ihn erpresst. Mit einem Mordanschlag wollen die Angeklagten nicht gerechnet haben. „Möglicherweise ein Täterexzess aus finanziellen Erwägungen“, sagte ein Verteidiger am Rande des Prozesses.

Viele Fragen sind offen. Dass Adam M. als gedungener Killer in der Dunkelheit lag, ist nicht bewiesen, sondern vielmehr ein Puzzle, dass die Ermittler aus mehreren Zeugenaussagen zusammengesetzt haben. Im März wurde M. in Indien gefasst. Zu den Vorwürfen soll er sich nicht geäußert haben. Benjamin Lu. und Vito L. befinden sich seit Dezember letzten Jahres in Untersuchungshaft. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. K. G.

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