Berlin : Landowsky geht, Steffel kommt: "Die Kunst, Partner mit dem Kaktus zu streicheln"

Ulrich Zawatka-Gerlach

Klaus Landowsky trat gestern zurück. Mit ihm verliert Berlin einen begnadeten Redner und Zwischenrufer. Manche Sprüche sind schon Legende. Die "sozialistischen Wärmestuben" in Brandenburg beispielsweise, die der CDU-Mann mit "eisernem Besen auskehren" wollte. Hier ein paar Schmankerln aus Landowskys Parlamentsreden.

"Gott sei Dank hat der Bundestag mit 18 Stimmen Mehrheit entschieden, und nur 15 PDS-Stimmen waren dabei! Aber selbst wenn das so wäre (dass die PDS den Ausschlag gegeben hätte): Sie können in Ihrem Leben gar nicht oft genug für Deutschland stimmen - für das, was Sie an Deutschland verbrochen haben." (27. Juni 1991, nach der Hauptstadtentscheidung des Bundestages)

"Auf den Redebeitrag der Alternativen Liste und der PDS einzugehen, erübrigt sich in diesem demokratischen Parlament. Es ist der Versuch gewesen, höchste Repräsentanzen des demokratischen Staates zu verhöhnen. Das war im Nationalsozialismus so, dass war in den Phasen des Umbruchs so, als der Kommunismus die Macht ergriffen hat." (14. März 1991 zur Frage, ob Helmut Kohl Ehrenbürger werden soll)

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Die Landowsky-Affäre "Die Angleichung der Lebensverhältnisse, die Wahrung des sozialen Friedens der Stadt waren und sind die vornehmsten Ziele dieser Großen Koalition... Es war nicht immer ganz einfach. Der italienische Satiriker Franchi hat einmal gesagt: Koalition ist die hochentwickelte Kunst, den Partner mit dem Kaktus zu streicheln." (10. November 1994 zur inneren Einheit)

"Alea jacta est - der Würfel ist gefallen. Die Bevölkerung hat am Sonntag gesprochen. Es wird also kein gemeinsames Land (Berlin-Brandenburg) geben... Wenn die Brandenburger nicht wollen, können wir es nicht ändern. Wer nicht will, der hat schon... Es waren gerade die Bürger aus West-Berlin, die unmissverständlich Ja gesagt haben. Sie waren wieder einmal das politische Rückgrat dieser Hauptstadt Berlin!" (9. Mai 1996, nach der Volksabstimmung)

"Meine Erfahrung sagt mir: Nach dieser Durchhängenummer kommt auch wieder eine emotional gute Zeit. Vor einem Jahr war Christo hier. Da waren Sie alle high. Heute sind Sie alle tief. Damit muss man leben... Hier wird so getan, als sei das große Elend und die große Ebbe in der Kasse nur in Berlin ausgebrochen." (31. Oktober 1996 zur Finanznotlage Berlins)

"Ich bin auch dankbar, dass der Senat jetzt intensiv gegen die Verslumung Berlins vorgeht, gegen Sprayer, gegen Müll und Verwahrlosung... Es ist nun einmal so, dass dort, wo Müll ist, Ratten sind. Und dass dort, wo Verwahrlosung herrscht, Gesindel ist." (27. Februar 1997, Generaldebatte zum Landeshaushalt 1997)

"Das war Quatsch; es ist ein Quatschantrag, und auf Quatsch antworte ich normalerweise nicht. Das Parlament hat ihn (Wirtschaftssenator Elmar Pieroth) für die Dauer der Legislaturperiode mit dieser Aufgabe betraut... Die Opposition versucht nun in einer kleinen, so ungekonnten Art und Weise an der Wirtschaftspolitik herumzudoktern... Die Diskussion ist beendet; Schluss mit lustig." (11. September 1997, nach Gerüchten, der amtsmüde Pieroth wolle zurücktreten)

"Am Ende steht eben doch ein bedeutendes und fortschrittliches Reformwerk. In der Vergangenheit hat es oft harte Worte gegeben, hin und her. Wer ist nun der Oberreformmops? Wer sitzt im Bremserhäuschen, wer schiebt an? Lassen wir das alles dahingestellt. Zum Schluss würde ich mir wünschen, dass wir heute eher auf dieser Linie sind: ein bisschen Friede, ein bisschen Freude!" (26. März 1998 zur Parlaments- und Verwaltungsreform)

"Wieder ist die radikale Linke für fünf Jahre von der Regierung ausgeschlossen. Die Berliner waren schlau. Für das Wahlergebnis danke ich ihnen heute erst einmal... Da können die Miesfische in Wort und Ton meinetwegen schreiben und sagen, was sie wollen." (9. Dezember 1999, nach der Wahl)

"Es ist unglaublich, was dort (in den Zeitungen) berichtet wurde. Erst spielte das Panikorchester auf, dann kamen die ganzen Klageweiber, und jetzt ist inzwischen Schlaumeierzeit... Einen Vorteil hat die ganze Sache: Die Pressefreiheit ist überhaupt nicht gefährdet. Es darf unverändert bösartig und auch beleidigend berichtet werden... Aber das ist das Schöne an der Kultur, da gibt es nur Fachleute, auch unter den Journalisten. Im Kino war jeder schon mal und im Theater auch. Es gibt eine kleine Widerstandsgruppe, die geht auch noch in Opern." (29. März 2000, nach dem Rücktritt der Kultursenatorin Christa Thoben)

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