Berlin : Landtag weist Mäzen ab: Keine Glocken fürs Portal

Berliner Unternehmer wollte Nachgüsse der Originale spenden In der kommenden Woche sollten sie übergeben werden.

von
Fortuna ohne Glockenklang. Historisch ist nicht genau belegt, bis zu welchem Jahr es im Portal ein Geläut gab. Foto: ZB
Fortuna ohne Glockenklang. Historisch ist nicht genau belegt, bis zu welchem Jahr es im Portal ein Geläut gab. Foto: ZBFoto: picture-alliance / ZB

Potsdam - Sie sollen ein Symbol sein für preußisch-aufklärerische Toleranz. Erik von Grawert-May, 68, ein Berliner Unternehmer, vormals Professor für Unternehmensethik und -kultur an der Hochschule Lausitz in Senftenberg, will dem Landtag zwei Glocken schenken und ins Fortunaportal hängen. Doch jetzt blitzte er damit bei Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) ab. Das aber regt die Bürgerinitiative Mitteschön und den Verein Potsdamer Stadtschloss auf. Auch wenn es diesmal nicht um die Dimensionen geht wie bei TV-Moderator Günther Jauch, der das Fortunaportal gestiftet und den Anstoß für den Schlossaufbau gegeben hatte, oder wie bei Software-Milliardär Hasso Plattner, der mit mehreren Millionen Euro die Fassade und das Kupferdach finanziert. Dennoch hat Potsdam wieder einen veritablen Streit um Spenden, Engagement von Bürgern – aber auch um die Geschichte des Schlosses. Ausgelöst durch die Spende zweier sogenannter Toleranzglocken im Wert von 50 000 Euro.

Seit dem Frühjahr steht Erik von Grawert-May in Kontakt mit Fritsch. Zwischen dem Landtag und dem Spender ging es hin und her. Noch im Juli bedankte sich von Grawert-May bei Fritsch für dessen „Interesse und bisheriges Entgegenkommen“. Dann ließ der Unternehmer die Glocken in einer Kunstgießerei in Lauchhammer gießen und wollte sie in der nächsten Woche feierlich übergeben. Von Grawert-May hat genaue Vorstellungen: Erklingen sollen die beiden Glocken des Fortunaportals nicht zu religiösen, sondern zu politischen Zwecken: „Wenn es im Landtag oder bei der Stadt Potsdam um die Durchsetzung von mehr Toleranz geht, dann könnten die Potsdamer durch den heiteren Quinten-Klang daran erinnert werden, dass sie Bürger einer Hauptstadt sind: der Hauptstadt Brandenburgs und der Hauptstadt der Toleranz“, sagt der Unternehmer. Schließlich hatte der Große Kurfürst 1685 mit dem Edikt von Potsdam diese Tradition begründet. Am liebsten wäre es von Grawert-May, wenn am Reformationstag im Jahr 2017 die Garnisonkirche eingeweiht wird, aber gleichzeitig der Landtag eine neues Edikt von Potsdam verkünden würde und die Toleranzglocken läuten würden. „Damals, unter dem Großen Kurfürsten und seinen Nachfolgern, handelte es sich vorwiegend um religiöse, heute kommen andere Minderheiten hinzu, vor allem politisch Verfolgte“, sagt er.

Doch Landtagspräsident Fritsch lehnte ab. Er begründete dies mit dem Beschluss das Parlaments, wonach sich die Gestaltung des Neubaus an der ursprünglichen Knobelsdorffschen Fassade des Jahres 1744 orientieren soll. Alles andere ordne sich dem unter. Zudem sei die Existenz der Glocken für diesen Zeitpunkt nicht verbürgt. Tatsächlich ist nicht ganz klar, bis wann die Glocken im Fortunaportal hingen. Nachweise gibt es für das Jahr 1701. Der Kirchenexperte Andreas Kitschke sagte, allem Anschein nach sei das Geläut 1750 entfernt worden. Der Landtagsneubau basiert aber auf den Entwürfen Knobelsdorffs, der das alte Schloss von 1744 bis 1751 zum Stadtschloss umbaute – und offenbar auf die Glocken verzichtet hatte. Auch das Fortunaportal selbst gestaltete er neu, weniger verspielt, klarer in den Linien.

Fritsch traf auch gleich eine Grundsatzentscheidung. Historische Gebäudeteile oder andere Erinnerungsstücke an das alte Stadtschloss will der Landtag nicht als Geschenk abnehmen. Auch hier beruft sich Fritsch auf Landtagsbeschlüsse, dass die Gestaltung des Innenhofs und im Innern einem funktionsfähigen Landtag unterzuordnen sei. Gebäudeteile aus anderen Epochen verböten sich demnach von selbst. Wenn man erst einmal etwas zulasse, wie die Glocken, könne man sich am Ende kaum mehr gegen andere Spenden wehren, hieß es. Die Bürgerinitiative Mitteschön und der Verein Potsdamer Stadtschloss schäumen vor Wut: Fritsch lasse Anstand und Feinfühligkeit vermissen. Der Umgang mit dem Spender sei empörend und stehe in einer Reihe mit den Vorgängen um Hasso Plattner, der nach Protesten seine Kunsthalle nicht mehr in der Stadtmitte, sondern am Stadtrand bauen will.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben