Landwehrkanal : "Keine gezinkten Karten"

Sanierung des Landwehrkanals: Das Wasser- und Schifffahrtsamt hat zu einem neuen Diskussionsforum geladen, in dem alle Beteiligten zu Wort kommen sollen. Die Bürgerinitiative ist skeptisch.

Bianca Kirchner
Landwehrkanal
Zerstörtes Vertrauen: Mit den Baumfällaktionen hat das WSA viel Wohlwollen verspielt. -Foto: Mike Wolff

Der Leiter der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Ost, Thomas Menzel, hat Recht: Die hohen Gemäuer und das warme gedämpfte Licht – es herrscht eine einladende Atmosphäre im Umspannwerk Kreuzberg. „Hier würde ich jetzt lieber einen schönen Abend verbringen, statt über den Landwehrkanal zu sprechen“, sagt er am Samstagabend. Doch die zahlreichen Besucher sind ungeduldig. Immer wieder sind Gemurmel und unverständliche Zwischenrufe zu hören. Die Zuhörer sind Mitglieder der Bürgerinitiative Bäume am Landwehrkanal und Mitarbeiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Berlin (WSA). Auch Vertreter von Reedereien, Umweltschutzverbänden, Parteien und von der Finanzverwaltung sitzen an den großen runden Tischen nebeneinander.

Anlass ist der im Sommer eskalierte Streit um die Bäume am Landwehrkanal, dessen zeitweise Sperrung und die Sanierung des Wasserwegs. Zu dem neuen Informations- und Diskussionsforum hat das WSA eingeladen. „Das Amt löst damit sein Versprechen von vor knapp zwei Monaten ein, einen neuen und gemeinsamen Weg in der Diskussion um die zukünftige Nutzung des Landwehrkanals zu finden“, sagt WSA-Chef Hartmut Brockelmann.

Das Angebot des Amts umfasse ein Mediationsverfahren, in dem alle Beteiligten zu Wort kommen und berücksichtigt werden sollen. Ziel ist laut Brockelmann, gemeinsam mit allen eine mittelfristig realisierbare Lösung zu finden. Im Publikum schütteln viele ungläubig die Köpfe. Die Skepsis der Anwesenden wird besonders deutlich, als ein Gast ruft: „Keine gezinkten Karten“ und ein anderer nachsetzt: „Wir haben was Besseres zu tun, als uns über den Tisch ziehen zu lassen.“ Das Misstrauen hat seinen Grund: Anfang Juli hatte das WSA unter Polizeischutz 21 Bäume fällen lassen. Polizisten bewachten die Fällaktionen an der Waterloobrücke, am Maybach- und Reichpietschufer. Während das geschah, waren die Verhandlungen zwischen Vertretern der Naturschutzverbände, dem Amt und der Bürgerinitiative noch im Gange. Sie wurden aber abgebrochen, als die Aktion bekanntwurde. Seitdem ist das Vertrauen auf Seiten der BürgeriInitiative geschwunden.

Dennoch wird das Angebot der WSA nun verhalten angenommen. Der Naturschutzbund (NABU) Berlin begrüßt die Idee der Mediation als vielversprechenden ersten Schritt. Doch noch sind viele Fragen offen. Die Anwesenden wollen vor allem wissen, für welchen Zeitraum das Mediationsverfahren geplant sei. „Machen wir’s in kleinen Schritten. Gute Arbeit braucht Zeit“, antwortet Brockelmann. „Können wir davon ausgehen, dass während des Verfahrens nur Notmaßnahmen am Kanal getroffen werden?“, lautet die nächste misstrauische Frage. Brockelmann und Menzel versichern mehrmals, dass sowohl das Bezirksamt als auch die Bürgerinitiative über etwaige Maßnahmen informiert werden und bei deren Ausführung mitbestimmen könnten.

„Der unglückliche Kommunikationseinbruch im Frühjahr hat beim WSA zu einem Lernprozess geführt. Wir werden in Zukunft Geduld haben, zuhören und lernen, Kontrolle abzugeben“, ergänzt WSA-Sprecherin Evelyn Bodenmeier. Auch die ausgestellten Lösungsvorschläge zur Sanierung der Uferwand des Kanals werden diskutiert. Grünen-Politikerin Ute Kätzel möchte wissen, wieso die elf Sanierungsoptionen nicht die ökologische Verbesserung des Vorhabens beinhalten, doch eine konkrete Antwort erhält sie nicht. Diese Frage wird wie viele andere Fragen des Publikums in das eigentliche Mediationsverfahren verschoben. Nun liegt es in der Hand der Mediatoren, die Kommunikation aufrecht zu erhalten und einen Konsens für die Nutzung des mehr als 100 Jahre alten Landwehrkanals zu finden.Bianca Kirchner

Informationen und Ergebnisse des Mediationsverfahrens unter www.wsa-b.de und www.landwehrkanal-berlin.de

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