Landwehrkanal : Mit Kameras gegen Kettensägen

Erste Bäume am Landwehrkanal gefällt - der Protest soll jetzt schärfer werden.

Annette Kögel

Als die Bäume fielen, fielen auch unschöne Worte. Dutzende Anwohner und Naturschützer protestierten Freitag ab sechs Uhr Früh am Landwehrkanal, zückten Fotoapparat und Videokamera. Gestern kamen nahe der Waterloobrücke erstmals Kettensägen und ein Hebekran zum Einsatz: Die ersten drei von insgesamt rund 200 Bäumen wurden gefällt, weil sie einem Gutachten zufolge durch ihr tonnenschweres Gewicht die einsturzgefährdete Ufermauer gefährlich belasten.

Die Fällungen erhitzen die Gemüter: Die nächste vom Wasser- und Schifffahrtsamt Berlin veranlasste Fällung, so drohten radikal eingestellte Kreuzberger gestern gar, werde nicht mehr friedlich hingenommen. Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg kündigte an, „um jeden Baum zäh zu ringen“, wie Umweltamtsleiterin Anke Woite sagte. „Wir werden uns in jedem Einzelfall genau erläutern lassen, ob es Alternativen wie Abstützen, etwa durch Spundwände, gibt“, sagte Bürgermeister Franz Schulz (Grüne). Bevor die ersten Pappeln gefällt wurden, hatte Anke Woite einen Tauchgang veranlasst – dieser ergab jedoch, dass die Kanalmauer gefährlich unterspült ist. Um Schifffahrt und Spaziergänger nicht zu gefährden, sollen 200 Bäume über 15 Meter Höhe, die bis zu drei Meter vom Ufer entfernt stehen, am gesamten Kanal auf einer Länge von elf Kilometern gefällt werden.

„Uns ist bewusst, dass das in Zeiten des Klimawandels sehr emotional aufgenommen wird“, sagt Mareike Bodsch vom Wasser- und Schifffahrtsamt. Der BUND hatte kritisiert, dass Dampfer durch überhöhte Geschwindigkeit selbst das Ufer ausspülen. Die Wasserschutzpolizei werde intensiver kontrollieren, sagte Bodsch. Die Berliner Baumschutzverordnung gilt ihrer Auskunft nach an dieser Bundeswasserstraße nicht. Die Grünen im Abgeordnetenhaus appellierten, das Grün im damit unterversorgten Bezirk Kreuzberg zu retten, statt „vor allem die Leichtigkeit des Schiffsverkehrs im Auge zu haben“.

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