Landwehrkanal : Noch sind die Bäume am Kanal nicht gerettet

Ein Ingenieurbüro stellte elf Varianten für die Sanierung des Landwehrkanals vor. Eine Variante ist äußerst radikal. Sie sieht vor, den Kanal komplett zuzuschütten.

Matthias Jekosch

Die radikale Variante sieht so aus: Der Landwehrkanal wird zugeschüttet, in der Mitte bleibt nur ein kleines Rinnsal, das zu beiden Seiten bepflanzt wird. Immerhin können die Bäume bleiben. Aber das ist nur eine von elf Varianten der Sanierung der Ufer des Landwehrkanals, die das Berliner Ingenieurbüro Plass im Auftrag des Wasser- und Schifffahrtsamtes Berlin (WSA) ausgearbeitet hat.

Bei den anderen Varianten müssen viele Bäume weichen. Alle Vorschläge wurden gestern im Umspannwerk Kreuzberg vorgestellt. „Sie sollen als Grundlage für Diskussionen dienen“, sagte die Sprecherin des Amtes, Evelyn Bodenmeier.

Die Sanierung der maroden Uferwände des Kanals berühren zahlreiche Interessen. Die Berliner Denkmalschützer wollen das herkömmliche Bild des Ufers erhalten. Die Bürgerinitiative „Aktionsbündnis Bäume am Landwehrkanal“ will den Baumbestand retten, die Reedereien wollen ihre Ausflugsschiffe durch den Kanal fahren lassen und das WSA möchte eine dauerhafte Sanierung. Derzeit scheint die „Variante vier“ am besten geeignet. In ihr sollen die Ufer größtenteils belassen und eine neue Spundwand unterhalb der Ufermauer eingesetzt werden. Der Kanal böte danach den gleichen Anblick wie heute, sagt Ingenieur Bernd Jainz. Allerdings wären die Bauarbeiten relativ aufwendig und teuer. Bei der Untersuchung der Sanierungsvarianten sollte das Ingenieurbüro weder auf die Kosten achte noch auf die ökologischen Auswirkungen. In der einfachsten Form würden die Uferwände einfach nur durch Erdanker befestigt werden. „Da sehen wir uns in ein paar Jahren aber wieder“, sagt Jainz: die Nachhaltigkeit wäre nicht gegeben. Auch komplett neue Uferwände seien denkbar. Je nach Ausführung könnte der etwa 20 Meter breite Kanal dann um bis zu ein Viertel schmaler werden.

Bei der Entscheidung, welche Variante schließlich gewählt wird, sollen zwei professionelle Mediatoren als Vermittler helfen, die im Umspannwerk bereits eine erste Diskussion über die Sanierungsvarianten moderierten. Die Bürgerinitiative hatte im Frühjahr heftig gegen die Pläne des WSA protestiert, als dieses bis zu 200 Bäume fällen wollte, weil stellenweise die Ufer abgerutscht waren. Der Höhepunkt des Streites war erreicht, als das Amt Bäume absägen ließ, während zur gleichen Zeit im Kreuzberger Rathaus über deren Zukunft verhandelt wurde. Schließlich wurden 38 Bäume gefällt und 20 Bäume durch jeweils zwei acht Tonnen schwere Betonquader gesichert. Aber sie freue sich über den Dialog. Die Initiative will Anfang nächsten Jahres ein internationales Symposium zum Thema ausrichten.

Der grobe Fahrplan sieht nun so aus: Das Mediationsverfahren soll sechs bis neun Monate dauern. Danach wird ein Planfeststellungsverfahren eröffnet – das sich aber über Jahre hinziehen kann. Erst nach dessen Abschluss könnte mit den Bauarbeiten begonnen werden. Der Berliner Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele (Bündnis 90/Die Grünen) begrüßte die Gespräche. „Gerade in Kreuzberg kann man nur mit der Bevölkerung Entscheidungen treffen und nicht gegen sie“, sagte er. Matthias Jekosch

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