Landwehrkanal : Zu neuen Ufern

Am Landwehrkanal sind sich Baumschützer und Bundesbehörde näher gekommen - gemeinsam fordern sie jetzt einen Masterplan.

Annette Kögel
landwehr

Am Landwehrkanal ist einiges im Fluss. So sollen die 40 aufwendigen Betonklötze mit ihren Stahlseilkonstruktionen, die 20 nach Behördenangaben umsturzgefährdete Bäume am Ufer sichern, im Herbst abgebaut werden. Stattdessen werden an jenen Stellen des knapp elf Kilometer langen Kanals vorsichtig Spundwände vor die maroden Ufer für eine größere Stabilität eingebracht. Letztlich aber müssen weite Bereiche des im Jahre1850 eröffneten Landwehrkanals saniert werden, bis zu 130 Millionen Euro wird das kosten. Ein Mammutvorhaben, das das für die Unterhaltung der Bundeswasserstraße zuständige Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) nun doch nicht mehr in alleiniger Verantwortung stemmen will.

So sitzen jetzt die früheren Gegner in der Debatte um die Zukunft von Wasserstraße und Naherholungsgebiet in einem Boot: Baumschützer und WSA appellieren an Bund und Land, bei der Sanierung des Gewässers mit großstädtischem Erholungscharakter federführend mitzuwirken. Derzeit sei es kaum möglich, alle zuständigen Ämter zu vernetzen: Die Bundesbehörde WSA ist nämlich allein zuständig für den Verkehrsweg, also für die Ausflugsschifffahrt, die Zuständigkeit endet an den Ufermauern. Dann kommen als Grundstücksbesitzer die bezirklichen Ämter für die Stadtteile Treptow, Neukölln, Kreuzberg, Tiergarten und Charlottenburg hinzu. Einige Uferstreifen gehören zudem der Stadt oder auch privaten Eigentümern.

„Der Landwehrkanal hat eine gesamtstädtische Bedeutung als Naherholungsgebiet, als grüne Lunge, aber auch als Wirtschaftsmotor für die Anrainerbetriebe, deshalb muss ein Masterplan her“, sagt Wiebke Enwaldt, Vorstand des Vereins „Bäume am Landwehrkanal“. Es könne nicht sein, dass bei der Sanierung allein die Sicht der Reedereien beachtet werde. So sieht es nach erster Kanalsperrung und zehnmonatigem Mediationsverfahren zwischen Baumschützern und Behörde auch das Wasser- und Schifffahrtsamt. „Wir suchen nach einer ganzheitlichen Lösung wie einem Masterplan“, sagt der neue Amtsleiter Michael Scholz – er folgte dem umstrittenen Vorgänger Hartmut Brockelmann. „Wichtig ist, dass die in Berlin zuständigen Stellen für Stadtplanung und -entwicklung sich ebenfalls bereit erklären.“ Man wolle im Bundesverkehrsministerium die Finanzierung einer Vorstudie zu einem Masterplan prüfen – dieser solle Aufgaben, Zuständigkeiten, Finanzierung und Zeitplan regeln. Und mehr, wünschen die Baumschützer.

„Wenn man so ein Riesenvorhaben angeht, muss man weit mehr bedenken als nur die Sicherheit der Schiffe, damit das keine Schnellstraße für Dampfer wird“, sagt einer der Aktivisten der ersten Stunde, Arno Paulus. So sollten neben technischen Aspekten der Sanierung des denkmalgeschützten Ufers auch Freizeitmöglichkeiten und natürliche Ufergestaltung, Zu- und Abflüsse geregelt werden – sowie der künftige Verkehr auf dem Kanal. Paulus plädiert dafür, wie in Amsterdam zunehmend kleinere Touristikboote einzusetzen. 500 000 Anwohner seien direkt betroffen. Inzwischen ist Wiebke Enwaldt zufolge nachgewiesen, dass die Uferwände infolge der Schiffsschrauben unterhöhlt wurden. Wie in Neukölln am Maybachufer, nahe der Anlegestelle der Reederei Riedel, wo vor 15 Monaten durch den Einsturz der Ufermauer erst die Baufälligkeit klar wurde. Diese Stelle soll bald repariert werden, sagt Scholz.

Die Bürgerinitiative (BI) „Rettet die Bäume am Landwehrkanal“ hat, wie berichtet, infolge der ursprünglichen Pläne des WSA, 200 Bäume zu fällen, mit bürgerschaftlichem Engagement von sich reden gemacht. Aus 200 Bäumen wurden 38; als Ersatz werden 190 gepflanzt. Die BI beruft sich auf eine TU-Studie, nach der die Wurzeln die Mauern gar nicht zerstörten, weil sie in Kurven wieder zurück wuchsen – die Bäume hätten demnach gar nicht gefällt werden müssen. Die Aktivisten hatten Plakataktionen, Telefon- und Menschenketten gestartet, 25 000 Unterschriften gesammelt. Dem Wunsch der an der aufwendigen Mediation beteiligen Bürger mit Einkommensausfällen nach Sitzungsgeld wurde nicht entsprochen.

„Gläsernes Büro“ des WSA, Kreuzberg, Mehringdamm 129. Tägliche Treffen der Bürgerinitiative: Admiralbrücke, Kreuzberg, 18 Uhr. Im Internet: www.landwehrkanal-berlin.de, www.baeume-am-landwehrkanal.de, www.wsa-b.de

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