Berlin : Lang und leise

Ein Besuch beim „Tag der Gemeinschaft“ in der Steglitzer Sankt-Matthäus-Kirche

Benjamin Lassiwe

Das Gotteshaus war bis auf den letzten Platz besetzt, fast wie zu Weihnachten. Rund 50 Personen sangen im Chor, ebenso viele bliesen im Gottesdienst Trompete oder Posaune. Und Pfarrer Eckhard Krause aus Lüneburg erntete in der Sankt-Matthäus-Kirche an der Steglitzer Schloßstraße Respekt, als er von sich selbst behauptete, „die Gabe der langen Predigt“ zu haben. Was freilich nicht immer ein Qualitätsmerkmal ist, wie mancher Besucher anschließend merken musste: Krause sprach leise und langatmig. In den letzten Bankreihen verstand man ihn oft nicht. Dabei hätte manche seiner Aussagen etwas mehr Aufmerksamkeit verdient. Etwa, als er kritisierte, dass es unter Christen zum „Volkssport“ geworden sei, auf die Kirche einzuschlagen. „Es stimmt, die Kirche hat weniger Geld als früher, aber das ist doch kein Schicksal“, sagte Krause. „In der Vergangenheit haben wir uns auch eine Menge Dinge geleistet, die uns von den eigentlichen Aufgaben abgehalten haben.“

Krause sprach beim Eröffnungsgottesdienst des „Tags der Gemeinschaft“. Dieser ist das Jahresfest des „Gemeinschaftswerks Berlin-Brandenburg“. Aus der ganzen Region waren Christen nach Berlin gekommen. Schließlich ist das Gemeinschaftswerk der Dachverband der etwa 55 „Landeskirchlichen Gemeinschaften“ in der Region. Ihre 3000 Mitglieder gehören zu einer evangelischen Kirchengemeinde und zahlen Kirchensteuer. Doch daneben feiern sie eigene Gottesdienste mit speziellen Predigern, die aus Spenden finanziert werden, und halten Bibelstunden ab.

Nach der langen, aber leisen Predigt gab es schließlich noch einen Moment der Freude für die Besucher: Pröpstin Friederike von Kirchbach und Andreas Heinemann, Vorsitzender des Gemeinschaftswerks, sowie zahlreiche Helfer führten den schwäbischen Prediger Friedhelm Geiß in das Amt des „Inspektors“ des Gemeinschaftswerks ein. Als oberster Theologe und Seelsorger wird er künftig Verantwortung für die Arbeit der Gemeinschaften übernehmen.

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