Berlin : Lange Dienstwege, überflüssige Prüfungen

Sigrid Kneist

Bei deutschen Unternehmern ist das Image Berlins nicht besonders gut. "Viele sind davon überzeugt, dass hier im Vergleich zu anderen Städten alles wahnsinnig kompliziert ist", sagt Christoph Zschocke, Vorsitzender des Bundesverbandes Junger Unternehmen (BJU) im Gespräch mit dem Tagesspiegel. "Berlin gilt allgemein nicht als ansiedlungsfreundlich." Vor allem die Verwaltung sei nur schwer zu durchschauen und außerordentlich verworren. Zwar habe es die Ankündigung einer Leitstelle für Investoren gegeben, passiert sei in diesem Punkt bisher aber nicht viel, sagt Zschocke. Andere Städte wie München oder Leipzig hingegen hätten vorgelegt, dort habe man es geschafft, "die Bürokratie aufzubrechen". Der BJU vertritt bundesweit rund 2500 selbstständige, in der Mehrzahl mittelständische Unternehmer im Alter bis zu 40 Jahren.

Zschocke, der vor gut zehn Jahren sein Unternehmen "Ökotec" in Berlin gründete, hat wie auch andere Verbandsmitglieder selber genügend Erfahrungen mit Berliner Verwaltungen auf allen möglichen Ebenen gemacht. "Ökotec" mit seinen 20 Mitarbeitern ist auf dem Gebiet des Energie- und Umweltmanagements tätig. Besonders hinderlich - "eine Katastrophe" - nennt Zschocke die doppelte Verwaltungsstruktur auf Bezirks- und Landesebene, zwischen denen die Zuständigkeiten oft hin- und herpendelten. "Die Dienstwege zwischen Bezirk und Land laufen oft ewig. Man hat beinahe das Gefühl, dass die Akten per Flaschenpost durch die Spree geschickt werden." Als weiteres Beispiel für überbordende Bürokratie nennt Zschocke die Arbeit der Finanzämter. In Berlin müssten sich Unternehmen jedes Jahr mit Sonder- und Betriebsprüfungen auseinander setzen.

Dies sei oft sehr zeitaufwändig und in anderen Kommunen in der Regel unüblich. Dort werde beispielsweise alle zehn Jahre für einen Zeitraum von drei Jahren geprüft. Hier habe man eher das Gefühl, dass die vielen Prüfungen sein müssten, um die Vielzahl an Beschäftigten in den Ämtern zu legitimieren. Ohnehin fehlen nach Zschockes Auffassung für die Mitarbeiter in den Verwaltungen Anreize, um sich als Dienstleister zu verstehen.

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