Berlin : Lange Nacht der Museen: Erst zur Kirche, dann zu den Korallen

Judith Kessler

Sie ist so beliebt wie in den Jahren zuvor. 220 000 Kunstinteressierte durchstreiften die Ausstellungen in der elften Langen Nacht am Sonnabend. Allerdings: Museen standen bei der Mehrheit der Besucher erst an zweiter Stelle. Publikumslieblinge waren der Berliner Dom mit 18 400 und das Zooaquarium mit 12 400 Besuchern.

Das Rote Rathaus konnte zum zweiten Mal in einer Langen Nacht besichtigt werden. Hunderte warteten am Sonnabend ungeduldig das Ende von Klaus Wowereits Eröffnungsrede ab, um danach sein Amtszimmer zu besichtigen. Im Säulensaal konnten sich die Menschen in das Kondolenzbuch für Hildegard Knef eintragen. Vor dem Rathaus starteten sechs der zehn Shuttle-Busse, die die Museumsbesucher zu den 89 Häusern brachten. Alle Museen hatten bis zwei Uhr früh geöffnet.

Im Foyer der Neuen Nationalgalerie feierten 11 200 Besucher den Architekten Mies van der Rohe mit Tango und Zigarren. "Dieser Besucherrekord nur im Gehäuse der Nationalgalerie zeigt, dass leere Häuser genauso interessant sein können wie Museen mit Austellungen", sagt Wolf Kühnelt vom Museumspädagogischen Dienst.

Die neu sanierte Alte Nationalgalerie gehörte zu den Publikumsmagneten. Riesige Schlangen bildeten sich am hinteren Ende der Museumsinsel. Für erschöpfte Wartende standen Liegestühle bereit. Immerhin standen 8 000 Kulturfreunde am Sonnabend geduldig in der Schlange, um anschließend über den roten Teppich zum Kunstgenuss zu schreiten.

Gleich zwei lange Schlangen bildeten sich vor dem Jüdischen Museum. Zum ersten Mal konnte die Daueraustellung zur deutsch-jüdischen Geschichte bei Nacht gesehen werden. 5 844 Besucher besuchten den Libeskind-Bau in der Lindenstraße. In der vorigen Langen Nacht im August 2001 hatte das leere Museum sogar 9 000 Berliner angezogen. "Eine solche Zahl wäre mit der Ausstellung gar nicht zu bewältigen gewesen", sagt Eva Söderman, Sprecherin des Jüdischen Museums.

Zufrieden ist auch Jan-Ulrich Spies vom Anne-Frank-Zentrum, das seine Lange Nacht-Premiere feierte. "Wir hatten über 1000 Besucher, genau die richtige Zahl, für eine solch kleine Einrichtung." Durch die Lange Nacht habe das Zentrum gut auf sich aufmerksam machen können. "Viele unserer Besucher wollen mit Schulklassen und Jugendgruppen wieder kommen."

Auch das Museum Plagiarius und die Sammlung Industrieller Gestaltung hatten einen gelungenen Einstieg. 2 500 Besucher wollten am Sonnabend Originale und Fälschungen im Plagiarius besichtigen.

Die längste Nacht hatte Sabine Grunwald vom Ethnologischen Museum. "Einige Unerschrockene saßen bis halb fünf in den Liegestühlen und haben sich Filme angesehen." In Dahlem dauert die Lange Nacht im Winter traditionell am längsten. "Normalerweise ist es ja kalt um diese Zeit. Also warten wir bis die erste U-Bahn fährt, bevor wir schließen, damit niemand in der Kälte steht." Eine Dahlemer Tradition, die auch bei 16 Grad nicht umgestoßen wurde.

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