Lange Nacht der Museen in Berlin : Na dann, gute Nacht!

Heute laden die Berliner Museen wieder ein zur Langen Nacht, Zehntausende werden erwartet. Das Team der Berlinischen Galerie war fast jedes Mal dabei. Kurz nach dem Umzug an ihren jetzigen Standort mussten sich die Mitarbeiter einiges einfallen lassen, um Besucher anzulocken.

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Licht aus, Spot an: Techniker Wolfgang Fleischer und Organisationsleiterin Christiane Friedrich bereiten die Berlinische Galerie für die Lange Nacht vor.
Licht aus, Spot an: Techniker Wolfgang Fleischer und Organisationsleiterin Christiane Friedrich bereiten die Berlinische Galerie...Foto: Paul Zinken

Bei der Premiere waren es 11 000 Besucher. Als die Berlinische Galerie zum ersten Mal zu der Langen Nacht der Museen einlud, im Sommer 1997, bei der zweiten Langen Nacht in Berlin überhaupt. Damals musste die Galerie gerade aus dem ersten Obergeschoss des Martin-Gropius-Baus ausziehen. „Im Innenhof des Postfuhramtes, in das wir hofften, einziehen zu können, hatten wir eine riesige Sommerparty organisiert“, sagt Christiane Friedrich, Organisationsleiterin der Berlinischen Galerie. Sie arbeitet seit 1994 in der Galerie und hat fast jede der 33 Langen Nächte miterlebt.

Aus dem Umzug wurde nichts, sieben Jahre war die Berlinische Galerie mehr oder weniger obdachlos. Das Museum für moderne Berliner Kunst sandte seine Kunstwerke auf Reisen und bestückte Ausstellungsfenster an wechselnden Orten in der Stadt. Aber auch da wollten sie bei der Museumsnacht nicht fehlen. „So eine Lange Nacht ist natürlich mit erheblichem Aufwand und zusätzlichen Kosten verbunden“, sagt Friedrich, „schon allein weil wir Sonderöffnungszeiten von 18 bis zwei Uhr haben.“ Aber es ist der Galerie wichtig, dabei zu sein: „Mit den Aktionen und Partys erreicht man eine andere Zielgruppe, das ist eine ganz andere Atmosphäre als so ein ruhiges Museum.“

Kunst-Peep-Show im Bauwagen

Nachdem die Mitarbeiter den jetzigen Standort, eine ehemalige Lagerhalle in der Alten Jakobstraße 124, bezogen hatten, waren sie sofort wieder dabei. Es war Januar 2003, die Halle noch ein riesiger leerer Raum. „Da mussten wir ein bisschen mit Licht zaubern und vor allem erst mal Heizgebläse herbeischaffen, damit sich überhaupt jemand länger dort aufhalten konnte“, sagt der Techniker Wolfgang Fleischer, der seit 1988 für die Berlinische Galerie arbeitet. Um es gemütlicher zu machen, veranstalteten sie eine Art Kunst-Peep-Show: „Wir haben einen Bauwagen aufgestellt, ein erotisches Aquarell von George Grosz aufgehängt und jeder Betrachter durfte nur einzeln eintreten“, sagt Friedrich.

Die Lange Nacht der Museen im März 2013
Clublandschaft Kulturforum: Der Tanzkurs mit anschließendem Tanzvergnügen war eines der Highlights der Langen Nacht der Museen in Berlin. Bis spät in die Nacht war gut was los. Als um zwei Uhr Schluss dann war, ging die Party für viele noch weiter - in den Clubs von Berlin.Alle Bilder anzeigen
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17.03.2013 08:26Clublandschaft Kulturforum: Der Tanzkurs mit anschließendem Tanzvergnügen war eines der Highlights der Langen Nacht der Museen in...

Das Gemälde hatte sie nachts mit ihrem Privat-Pkw in die Lagerhalle gebracht. Um den noch unbekannten Standort, der ein bisschen abseits der Shuttlebus-Routen liegt, bekannt zu machen, hatten sie kleine Lichter entlang des Weges aufgestellt, um die Besucher zu leiten. Im Winter 2004 gab es dann Führungen über die Baustelle, die Besucher wurden mit Glühwein versorgt. Ein Jahr später fand die Veranstaltung erstmals im fertigen Museum statt, jedes Jahr schauen seitdem 1000 bis 2000 Besucher bei ihnen vorbei. Heute können sie auf eine gefestigte Infrastruktur zurückgreifen, der Techniker Fleischer stellt Scheinwerfer und Lautsprecher auf, installiert eine kleine Bühne.

An diesem Samstag werden Poetry-Slamer in Gebärdensprache ihre Texte präsentieren. Die Aktion wird simultan für Hörende übersetzt. Die Urban-Street-Dance-Truppe „Lunatics“ tanzt im Ausstellungsbereich, Besucher können unter Anleitung Aktzeichnungen anfertigen, für Kinder gibt es Workshops. Außerdem werden Filme wie „L.A. Crash“ in einer Videolounge gezeigt.

Privat waren Friedrich und Fleischer nur selten bei der Langen Nacht. Sie müssen ja schließlich arbeiten.

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