Berlin : Lange Nacht der Museen: Kultur, Kunst und Kitsch bis zwei Uhr früh

Jasmin Jouhar

Wenn ein Mensch Tango tanzt, Schiff fährt, Mode schaut, Cocktails trinkt, japanisch isst, russische Lieder hört, viel Kunst genießt - und alles an einem einzigen Abend: Dann ist Lange Nacht der Museen. Am morgigen Samstag, 26. August, lassen über 90 Museen und Institute ihre Türen wieder bis zwei Uhr nachts offen, mit einer Eintrittskarte kommen die Besucher überall hinein. Eine gute Gelegenheit, sich die gerade in der Stadt laufenden Ausstellungen anzuschauen. Aber die beteiligten Häuser halten viel mehr für die zahlreichen Besucher bereit. Beim letzten Mal, im Januar, waren rund 45 000 Menschen unterwegs, diesmal erwarten die Veranstalter vom Museumspädagogischen Dienst noch 5000 mehr.

Neu dabei bei der achten Langen Nacht ist das jüngste Museum Berlins, das Vitra Design Museum, Ecke Kopenhagener / Sonnenburger Straße in Prenzlauer Berg, mit einer Retrospektive von Verner Panton. Zu den bunten Möbeln aus den Sechzigern steigt eine Retro-Party, eine Lichtshow macht aus der Fassade des ehemaligen Abspannwerk einen Hingucker. Ebenfalls ein Lange Nacht-Neuling ist das Brücke-Musem, Bussardsteig 9, mit einer Ausstellung von Werken des Expressionisten Erich Heckel. Dazu wird um 19 und um 21 Uhr aus den Tagebüchern von Ernst Ludwig Kirchner gelesen.

Ein Kraftwerk als Kulturereignis

Erstmals beteiligt sich auch die Bewag:Technik-Freunde können das Heizkraftwerk in Moabit, Friedrich-Krause-Ufer 10-15, besichtigen und bekommen historische wie moderne Anlagen gezeigt. Pantomime, Klanginstallationen und klassische Musik machen das Kraftwerk zum Kulturereignis. Für die Männer Technik, für die Frauen Mode: Das Museum für Kommunikation, Leipziger Straße 16, überbringt unter dem Titel "cut and unit - Botschaften der Mode". Um 21 und 23 Uhr wird live auf dem Laufsteg vorgeführt, wie aus Stoff Kleidung wird.

Im Ethnologischen Museum, Lansstraße 8, steht die Musik im Mittelpunkt: In aller Welt haben die Organisatoren Klänge gesammelt. Kinder können von 17 Uhr an orientalisch tanzen lernen. Um 19 Uhr wird es kämpferisch mit einer Capoeira-Show, um 20 und 21 Uhr tritt ein Saxophon-Duo auf. Um 21 Uhr beginnt die Tango-Nacht. Ein Tanzschule gibt Tango-Unterricht, eine Band spielt die passende Musik, und Profis schweben in der Tango-Show über das Parkett.

Die Südamerikaner tanzen heißen Tango, die Japaner dagegen sind eher unterkühlt. Ob das Klischee dem Volk im Fernen Osten entspricht, kann im Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, und im Bauhaus-Archiv, Klingelhöferstraße 14, überprüft werden. Beide Häuser haben sich zur Langen Nacht dem Inselland gewidmet. Im Haus am Waldsee wird um 17 und 18.30 Uhr eine japanische Teezeremonie zelebriert, um 19.30, 20 und 21.30 Uhr gibt es eine Tanzperformance, außerdem stehen japanische Musik und Literatur auf dem Programm. Zur Ausstellung "Bauhaus, Dada und Expressionismus in Japan" erwarten die Besucher im Bauhaus-Archiv Kalligraphie, Kampfsport-Vorführungen und eine Suppenküche.

Glückliche Bauern mit goldener Zukunft

Wer ein Herz hat für glückliche Bauern und heldenhafte Soldaten, sollte sich auf den Weg nach Karlshorst machen. Das Deutsch-Russische Museum, Zwieseler/Rheinsteinstraße, präsentiert Kuriositäten des "Sowjetkitsch". Bunte Gemälde des Sozialistischen Realismus zeigen Leonid Breschnew als Freund der Arbeiter, optimistische Lieder künden vom Aufbau und Filme illustrieren die goldene Zukunft des Sozialismus.

Im Kreuzberg Museum, Adalbertstraße 95a, wird um 20 Uhr ein Konzert uraufgeführt, nicht für Klavier oder Geige, sondern für Kindernähmaschinen. Richtig, für Kindernähmaschinen, denn im Gebäude des Museum produzierte bis 1979 die Fabrik F.W. Müller jr. das Spielzeug.

Bereits heute ab 15 Uhr ist Hafenfest im Historischen Hafen am Märkischen Ufer. Morgen startet um 19 Uhr eine Parade der Museumsschiffe, um 21 Uhr legen Schiffe zu Mondscheinfahrten ab. Auf der Spree entbrennt um 24 Uhr der "Feuerzauber".

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