Lange Nacht der Opern und Theater : Völkerwanderung zu Medea

Vorhang hoch: 68 Bühnen beteiligten sich an der zweiten Langen Nacht der Opern und Theater. Und Tausende strömten herbei.

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In neuem Licht. Zahlreiche Bühnen wie die Staatsoper Unter den Linden ließen gestern bei der "Langen Nacht" Besucher ein. Auch...Foto: ddp

Medea ist eine Nummer zu groß: Ruth Franke versucht, ihren Kopf durch das Loch in der Leinwand stecken, auf die ein Bild des Körpers der mythischen Mörderin Medea projiziert wird – mit Fackel und Messer in der Hand. Aber Ruth Franke ist zu klein. So wird das nichts mit einem Foto als Medea. „Macht nichts“, sagt die 54-Jährige gut gelaunt.

Es ist Sonnabend, gegen 19.30 Uhr. Die zweite Lange Nacht der Opern und Theater ist in vollem Gange. Tausende Berliner sind zwischen 68 großen und kleinen Bühnen unterwegs – eine Völkerwanderung zwischen den Kiezen. Von Steglitz bis Lichtenberg, auf dem Fahrrad oder im Bus, auf einer der sieben Sonderrouten zwischen den Theatern – bis Mitternacht. Medea im „Theaterdiscounter“ in Mitte ist Ruth Frankes zweite Station: „Ich wollte bei der Langen Nacht mal etwas Neues kennenlernen“, sagt sie. Deshalb steht sie jetzt in dem großen grauen Haus an der Klosterstraße, das früher einmal das Fernmeldeamt Ost beherbergte. Hier kann man sich zwischen 18 verschiedenen Motiven entscheiden, wenn man als Medea fotografiert werden möchte. „Die Besucher sollen selbst herausfinden, ob Medea Monster, Popstar, Ikone oder Hexe ist“, sagt Regisseurin Anna-Katharina Becker, die gerade ein Stück über Medea vorbereitet.

Ruth Franke ist Medea eigentlich eher egal. Aber sie will an diesem Abend unbedingt „alles mal mitnehmen“. Dann macht sie sich auf den Weg in den zweiten Stock des Theaterdiscounters. Da soll eigentlich eine Rollschuh-Disco im Gange sein. Eine Band spielt fröhlichen Sinti-Swing, aber noch ist der Raum ziemlich leer. Währenddessen stauen sich vor und in anderen Theatern die Massen: Die winzige Hauptstadtoper in der Nähe der Jannowitzbrücke ist ebenso überfüllt wie der Friedrichstadtpalast und die Staatsoper Unter den Linden. Und vor dem Bluemax Theater ist die Schlange der Fans der Blue Man Group fast endlos.

Ein ähnliches Bild in der Komischen Oper: Im Foyer drängen sich die Menschen vor den Türen zum Saal. Sie wollen unbedingt „die schönsten Operntode“ erleben. „Oper ist eigentlich nicht so mein Metier“, sagt der 39-jährige Axel Behrens, der mit einem Glas Bier auf der Freitreppe im Foyer sitzt „Aber das hier ist die Gelegenheit. Das wird bestimmt witzig. Schließlich sind wir hier in der Komischen Oper.“ 

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