Lange Nacht der Religionen in Berlin : Die Glaubensgemeinschaften laden ein

Am Sonnabend öffnen zum vierten Mal zur "Langen Nacht der Religionen" die Glaubensgemeinschaften in Berlin ihre Türen – diesmal machen sogar die Heiden mit.

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Interreligiöses Friedensgebetes am Gendarmenmarkt: Teilnehmer bei der Langen Nacht der Religionen im September 2014.
Interreligiöses Friedensgebetes am Gendarmenmarkt: Teilnehmer bei der Langen Nacht der Religionen im September 2014.Foto: Soeren Stache/ dpa

„Unser Traum ist, dass alle Religionsgemeinschaften in einem Viertel etwas gemeinsam auf die Füße stellen“, sagt Thomas Schimmel vom Initiativkreis der Langen Nacht der Religionen. So weit ist man noch lange nicht, aber es wird erste Annäherungen geben bei dieser vierten „Langen Nacht der Religionen“ am Sonnabend, den 29. August.

Eine Bahai-Gemeinde und die evangelische Kirche St. Paulus in Steglitz zum Beispiel bieten gemeinsam Führungen und Gespräche zum Thema Tod und Ewigkeit an. Eine interreligiöse Stadtrundfahrt führt zu den Orten in der Stadt, an denen nach 1945 die ersten interreligiösen Versuche gestartet wurden, etwa die American Chaplaincy im Zehlendorfer Hüttenweg, die Anglican Church in Charlottenburg und die ehemalige französische Militärkirche St. Genevieve in Reinickendorf.

Interreligiöse Schnitzeljagd durch die Stadtmitte

Das religiöse Großereignis wird mit einem interreligiösen Gebet um 12.30 Uhr in der Französischen Friedrichstadtkirche auf dem Gendarmenmarkt eröffnet. Danach kann man sich bei einem Imbiss stärken, den die Sikh-Gemeinde zubereitet, Kinder können eine interreligiöse Schnitzeljagd vom Gendarmenmarkt bis zum Rosa-Luxemburg-Platz machen.

Ab 14.30 Uhr stellen sich zum ersten Mal auch heidnische Gemeinschaften vor. „Heidnisch heißt nicht, dass wir an nichts glauben“, sagt Gudrun Pannier von der Paganen-Gemeinschaft. Im Gegenteil: Der Götterhimmel von Schamanen, Druiden, von keltischen und germanischen Glaubensgemeinschaften ist bunt. „Heidentum“ bezeichnet die indigenen europäischen Religionen. „Es gibt wenige Möglichkeiten für Außenstehende, an heidnischen Ritualen teilzunehmen“, sagt Pannier. „Das wollen wir durch unsere Teilnahme ändern.“ Insgesamt öffnen 93 Gruppen ihre Türen für Konzerte, Andachten und Meditationen, Gespräche und Diskussionen. Die Mehrzahl sind christliche Gemeinden, auch Muslime, Buddhisten, Hindu und Bahai beteiligen sich. Dieses Jahr machen nur wenige Synagogen mit, da die Jüdische Gemeinde die „Lange Nacht der Synagogen“ ausfallen lässt – wie auch die Jüdischen Kulturtage. Die Nacht der Synagogen fand in den vergangenen Jahren parallel zur Nacht der Religionen statt und zog viele Besucher an. Die Nacht endet um 23 Uhr mit einem interreligiösen Friedensgebet vor dem Deutschen Dom auf dem Gendarmenmarkt.

Die religiöse Großveranstaltung organisieren weitgehend ehrenamtlich die Gemeindemitglieder. Die Senatskanzlei unterstützt die Nacht der Religionen mit 12 000 Euro. Ziel ist, die religiöse Vielfalt Berlins sichtbar zu machen. Der Blick hinter die Fassade, über Vorurteile hinweg und zum besseren Verständnis lohne sich, schreibt Kulturstaatssekretär Tim Renner im Programmheft.

Das Programm finden Sie unter: www.nachtderreligionen.de

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