Lange Nacht der Wissenschaften : Roboter, Kristalle und der große Knall

Myon ist ein Star bei der Langen Nacht der Wissenschaften am Sonnabend in Berlin. Und nicht der einzige. Es warten große Fragen: Wann kommt das Ur-Kilo? Leuchten anstatt Glühbirnen bald nur noch Kristalle? Wir haben ein paar Tipps zusammengestellt.

von , , , , und
Kurz auf Augenhöhe. Uni-Präsident Jan-Hendrik Olbertz mit dem humanoiden Roboter Myon. Der Kleine soll lernen und dann eigene Entscheidungen treffen können. Foto: dpa
Kurz auf Augenhöhe. Uni-Präsident Jan-Hendrik Olbertz mit dem humanoiden Roboter Myon. Der Kleine soll lernen und dann eigene...Foto: dpa

Jan-Hendrik Olbertz geht in die Knie. Vorsichtig drückt er dem Roboter seinen Zeigefinger gegen die Brust, dann staunt der Präsident der Humboldt-Universität: „Er leistet Widerstand!“ Manfred Hild nickt. Er hat den Roboter entwickelt. Myon heißt er, ist etwa so groß wie ein Achtjähriger und der erste humanoide Roboter weltweit, der auch noch funktioniert, wenn man ihn in seine Einzelteile zerlegt. Und vor allem: Er lernt. Irgendwann soll er seine eigenen Entscheidungen treffen. Das wirft natürlich Fragen auf.

„Was passiert, wenn er leiden kann, wenn er Freiheit verlangt oder Grundrechte geltend macht?“, fragt Olbertz. Schnell ist klar, dass die Herstellung künstlicher Intelligenz zu ethischen Fragen führen kann. „Wenn Systeme autonom werden, ist die Frage, wer haftet“, sagt Manfred Hild. Er hat Mathe und Psychologie studiert, dann in Informatik promoviert und leitet das Labor für Neurorobotik an der HU.

Sein Institut war eins derjenigen, die Olbertz, der auch Vorstand des Vereins „Lange Nacht der Wissenschaften“ ist, in dieser Woche besuchte. Denn am Sonnabend ist es wieder so weit: Mehr als 70 Wissenschaftseinrichtungen präsentieren sich. Der Roboter Myon ist auch dabei. Bei der Eröffnungsveranstaltung der Langen Nacht um 16 Uhr im Audimax der HU, Unter den Linden 6, zeigt der Kleine, was er kann. Dann heißt es: Aufbrechen in die Nacht.

Wohl dem, der spezielle Interessen hat, denn die Masse von 2200 Veranstaltungen kann leicht überfordern. Man kann in 3D sehen, wie die Oberfläche des Mars aussieht, oder lernen, wofür Kristalle gezüchtet werden und vieles mehr (siehe Kasten rechts). Fast alle Einrichtungen bieten auch Programm für Kinder.

Anders als in der Politik gelingt die weltweite Zusammenarbeit in der Wissenschaft recht gut. So haben russische Forscher monatelang verschiedene Atomarten von Silizium (Isotope) voneinander getrennt und reines Silizium-28 ins Institut für Kristallzüchtung geliefert. Daraus soll das neue Ur-Kilo werden, auf das die Welt seit Jahren hofft. Kristalle werden aber auch für Drucksensoren in Formel-1-Rennwagen gebraucht – oder in Smartphones. „In zehn Jahren ist die Glühbirne tot“, sagt Projektleiter Günter Wagner. „Dann werden nur noch Kristalle unsere Räume erleuchten.“

Doch nicht immer geht es gleich um neue Produkte. „Wir sind erkenntnisgetrieben“, sagt Manfred Hild. „Forschung, die nur anwendungsorientiert vorgeht, beschränkt sich selbst.“ Hild will sehen, was sein Roboter alles lernt. Wird er gut und schlecht unterscheiden können? Ist das Humanoide bedrohlich? Roboter sind faszinierend, viele denken an Science- Fiction und Spielfilme. Was, wenn ihre Intelligenz größer ist als unsere? Wenn wir den Stecker ziehen wollen, aber die Roboter ihn wieder reinstecken? Uni-Präsident Olbertz macht sich keine Sorgen: „Wir Menschen sind ja nicht lebensmüde. Wir werden schon Vorkehrungen treffen. Mich interessieren nur die Fragen.“

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben