Berlin : Langes Schweigen im Babylon

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Da standen sie und wussten nicht recht, was sie sagen sollten: Die Schauspieler Jürgen Vogel und Sabine Timoteo , Regisseur Matthias Glasner und die zwei Koproduzenten. Alle nebeneinander aufgereiht, am Donnerstagabend vor der Leinwand des Babylon-Kinos in Mitte. Soeben war die Premierenvorstellung ihres Films „Der freie Wille“ zu Ende gegangen. Nach 171 beklemmenden Minuten. Im Film spielt Vogel einen Triebtäter, mehrere Vergewaltigungen werden detailliert gezeigt. Bei der Berlinale bekam Vogel dafür den Silbernen Bären, und auch jetzt applaudierte das Publikum nach dem Abspann. Aber große Worte schwingen? Regisseur Glasner bekam eine dunkelrote Rose geschenkt: „Die ist ja richtig eingegraut, die hat den Film wohl auch gesehen.“ Dann drückte er Vogel das Mikrofon in die Hand. Der stockte und zog sich aus der Affäre: „Gibt es vielleicht Fragen im Publikum?“ Gab es nicht. Bei der anschließenden Feier im Vorraum ging es entspannter zu – mit lauter Musik im Hintergrund lässt sich manchmal besser über schwierige Filme sprechen. „Der freie Wille“ läuft in fünf Berliner Kinos, die Adressen findet man unter www.derfreiewille.de. sle

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