Berlin : Langes Warten auf den ersten Zug am Potsdamer Platz

Der Bahnhof soll nach Verzicht auf Provisorium erst 2006 in Betrieb gehen / Dann sollen Bahnen auch in der Station Papestraße halten

Klaus Kurpjuweit

Beschäftigte und Kunden müssen am Potsdamer Platz länger als geplant auf einen Anschluss ans Regionalbahn-Netz der Bahn warten, obwohl der neue Bahnhof unter dem Sitz der Konzernverwaltung fast fertig ist. Der Bahnvorstand hat sich jetzt gegen eine vorzeitige provisorische Inbetriebnahme entschieden, die für 2005 vorgesehen war. Nun sollen die ersten Züge unter dem Potsdamer Platz erst im Sommer 2006 halten, wenn der Hauptbahnhof (Lehrter Bahnhof) betriebsbereit sein wird. Dann sollen die Bahnen auch im Bahnhof Papestraße halten, der derzeit ausgebaut wird.

Der Zeitplan ist allerdings eng. Denn bevor die Züge die neuen Bahnhöfe ansteuern können, müssen die Gleise im Süden der Stadt bis zur Stadtgrenze neu gelegt werden. Für die Anhalter Bahn durch Lichterfelde ist im August die Genehmigung erteilt worden. Heftig umstritten war hier der Lärmschutz. Die Wiederaufbauarbeiten umfassen 17 Kilometer auf der bereits 1841 eröffneten Anhalter Bahn. Anfang der 50er Jahre fuhren hier die damals letzten Fern- und Regionalzüge zum Anhalter Bahnhof. Allein 18 Brücken müssen nun neu gebaut oder saniert werden. Zudem wird die Strecke elektrifiziert.

Sputen müssen sich Planer und Bauarbeiter auch am Bahnhof Papestraße, wenn dieser 2006 betriebsbereit sein soll. Gebaut wird bereits seit einem Jahr. Papestraße wird ein großer Umsteigebahnhof. Für den Nord-Süd-Verkehr entstehen drei Fern- und Regionalbahnsteige sowie ein Bahnsteig für die S-Bahn. Darüber liegt der neue Bahnsteig der Ringbahn, der von einer gläsernen Halle überspannt sein wird. Über den Ringbahnsteig erfolgt auch der Zugang zu den darunter liegenden Bahnsteigen. Da unter Betrieb gebaut wird, lassen sich Einschränkungen bei der S-Bahn nicht vermeiden.

Vorübergehend hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn erwogen, den Bahnhof später oder vielleicht auch gar nicht bauen zu lassen. Dann entschied man aber doch, zumindest die Bahnsteige so anzulegen, dass später ein „richtiger“ Bahnhof daraus werden kann. Kernstück sind zwei Parkhäuser über den Gleisanlagen mit zusammen 2700 Stellplätzen. Noch sucht die Bahn allerdings nach einem privaten Finanzier für die Parkhäuser, die sie nicht in eigener Regie errichten will. Die Bahn baut jetzt nur die Grundplatte für diese geplanten Parkhäuser über den Gleisen. Sie bildet dann das Dach für die unteren Bahnsteige. Was geschieht, wenn sich kein privater Investor findet, ist ungewiss. Insgesamt soll der neue Bahnhof etwa 300 Millionen Euro kosten. Bis 2006 will die Bahn nach Angaben von Michael Baufeld, dem Sprecher der DB Verkehrsbau, rund 115 Millionen Euro in die betrieblichen Anlagen stecken.

Aber auch die Bahnsteige werden 2006 noch nicht komplett fertig sein. In Betrieb nehmen will die Bahn vorläufig nur zwei für die Fern- und Regionalbahn. Der dritte soll erst folgen, wenn auch die Dresdner Bahn durch Lichtenrade wieder aufgebaut ist. Hierfür gibt es weiter keinen Termin, obwohl die Strecke als Zubringer für den Airport-Express zum ausgebauten Flughafen Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld vorgesehen ist.

Am Potsdamer Platz hat die Bahn auf die provisorische Inbetriebnahme verzichtet, weil sie überzeugt ist, zur Fußball-Weltmeisterschaft im Sommer 2006 zum Hauptbahnhof (Lehrter Bahnhof) fahren zu können. Damit seien vorfristige Fahrten zum Potsdamer Platz vom Tisch, so Baufeld. Sie würden vor der endgültigen Inbetriebnahme einen erneuten Umbau erfordern. Auf eine schnelle Aufnahme der Fahrten drängt bisher vor allem Daimler-Chrysler.

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