Berlin : Langes Warten auf überfüllte Züge

S-Bahn schränkt das Angebot erneut stark ein. Stundenlange Verspätungen im Fernverkehr. Auch die BVG gerät außer Takt

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Frieren am Bahnsteig. Auch zum Beginn der Woche fuhr die S-Bahn wieder unregelmäßig. Fahrgäste mussten in den frühen Morgenstunden auch bei eisigen Temperaturen Geduld mitbringen. Foto: AFP/Eisele
Frieren am Bahnsteig. Auch zum Beginn der Woche fuhr die S-Bahn wieder unregelmäßig. Fahrgäste mussten in den frühen Morgenstunden...Foto: AFP

Die S-Bahn hat am Montag ihr Angebot erneut stark eingeschränkt. Statt alle 10 Minuten kam auf vielen Strecken nur noch alle 20 Minuten ein Zug, zudem wurden wieder Linien verkürzt. 215 Minuten mussten Fahrgäste in einem ICE ausharren, der am Morgen wegen eines Schadens vor Spandau liegengeblieben war, ehe eine Ersatzlokomotive den Zug in den Bahnhof Spandau schleppen konnte. Auch sonst gab es im Fernverkehr Verspätungen bis zu fast drei Stunden. Und jetzt hat es auch die BVG erwischt. Der Winter führte am Montag zu massiven Verspätungen im Bus- und Straßenbahn-Verkehr; auch bei der U-Bahn mussten Fahrgäste zum Teil länger auf einen Zug warten als üblich.

Bis Redaktionschluss konnte die S-Bahn nicht mitteilen, wie viele ihrer Wagen überhaupt einsetzbar waren. Dem Vernehmen nach sollen es weniger als 300 Doppelwagen gewesen sein. Am Freitag waren noch 377 Doppelwagen unterwegs. Selbst für den Notfahrplan, der bis zum Beginn des ersten Schneefalls Anfang Dezember galt, waren 434 Doppelwagen erforderlich. Vertraglich bestellt hat der Senat den Einsatz von 562 Doppelwagen. Wegen des Fahrzeugmangels konnten auch bei den seltener fahrenden Zügen erneut nur weniger Wagen eingesetzt werden als üblich. Diese Züge waren in der Hauptverkehrszeit entsprechend überfüllt.

Verspätungen gab es nach Angaben des Unternehmens auf allen Linien. S-Bahnen können den Fahrplan aus deswegen nicht mehr einhalten, weil sie, wie berichtet, nur noch mit 60 km/h statt mit Tempo 80 fahren dürfen. Zugefrorene Rohre, die verhindern, dass Bremssand auf die Schienen gestreut werden kann, was im Normalfall die Bremswirkung verstärkt, machten das Reduzieren der Geschwindigkeit erforderlich.

Die Sandbehälter müssen täglich kontrolliert werden, weil nach einem Auffahrunfall im Bahnhof Südkreuz Ende 2006 festgestellt worden war, dass das Unfallfahrzeug keinen Sand an Bord hatte. Dabei ist jetzt aufgefallen, dass die Rohre eingefroren sind. Der Einbau eines Heizsystems ist nach S-Bahn-Angaben geplant, könne aber erst Ende 2011 erfolgen, weil die Entwicklung nicht abgeschlossen ist. Auch die Bremsanlage muss nach dem Auffahrunfall umgebaut werden.

Im Regionalverkehr fielen mehrere Züge der nachfragestärksten Linie RE 1 (Magdeburg–Frankfurt (Oder/Eisenhüttenstadt) ersatzlos aus. Wegen einer Weichenstörung waren auch auf der RE 2 (Rathenow–Königs Wusterhausen zwischen Friedrichstraße und Königs Wusterhausen keine Fahrten möglich. Beeinträchtigt waren auch Züge der RB 14 zum Flughafen Schönefeld. Weil witterungsbedingt zu viele Fahrzeuge ausgefallen sind, hat die Bahn auf der RE 2 ohnehin bereits mehrere Züge planmäßig gestrichen; als Ersatz fahren Busse. Auf der RB 13 (Spandau–Wustermark) hat die Bahn zunächst bis zum Jahresende den Betrieb vollkommen eingestellt; auch hier liegt der Grund beim Fahrzeugmangel.

Im Busverkehr erschwerten nach Angaben der BVG vor allem langsam fahrende Autofahrer und blockierte Busspuren das planmäßige Vorankommen. Dadurch verspäteten sich die Busse bis zu fast einer Stunde. Reifenprobleme gibt es nach Angaben der BVG dagegen nicht; die Busse seien mit Ganzjahrespneus unterwegs, um den aufwändigen Wechsel zwischen Sommer- und Winterreifen zu umgehen.

Auch die Straßenbahnen gerieten aus dem Takt. Bei ihr mussten Fahrer häufig die Weichen von Hand stellen, weil die Anlagen durch gelagerten Schnee so vollgestopft waren, dass auch die Weichenheizungen die Massen nicht mehr tauen konnten. Zudem waren mehrere Autofahrer im Gleisbett gelandet. Bei der U-Bahn führten zudem Defekte an Fahrzeugen zu Ausfällen von Fahrten und Verspätungen auf den Linien U 6 (Alt-Tegel–Alt-Mariendorf und U 7 (Rathaus Spandau–Rudow).

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