Berlin : Langfinger und Wollhände

Im Dom-Aquarée sind riesige Krabben und außergewöhnliche Krebse zu sehen

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Wer acht Beine à 45 Zentimeter und zwei fast ebenso lange Scheren hat, kann sich bei Stress leicht verheddern. Deshalb haben die Biologen vom Sealife-Center den Japanischen Riesenkrabben vorsichtshalber Fußfesseln angelegt, bevor sie sie samt einer Kiste voll nassem Stroh ins Flugzeug gesetzt haben. Am Donnerstag sind die beiden in England aufgewachsenen Krabben wohlbehalten in Tegel gelandet. Jetzt sind sie ein Jahr lang in der Sonderausstellung „Riesenkrabben – Raubritter der Meere“ im Dom-Aquarée an der Karl-Liebknecht-Straße zu sehen. Und zwar schon von weitem, denn Riesenkrabben sind die größte lebende Krebsart.

Was fressen die so? „Was so runterfällt bis in 300 Meter Tiefe. Also Aas“, sagt Chefbiologe Martin Hansel. Im konkreten Fall bedeutet Aas, dass Hansel ihnen jeden Tag eine Sardine oder ein Stück Lachs ins acht Grad kalte Wasser wirft. „Den bekommen wir aus dem Gastronomie-Großhandel. Vielleicht brauchen die Krabben auch nur alle zwei Tage Futter.“

In freier Natur werden die Riesenkrabben bis zu drei Meter groß. Ihre Beine gelten als Delikatesse. Vom Aussterben bedroht sind die Tiere aber nicht – im Gegenteil: Sie haben sich gut eingelebt, seit vor rund 40 Jahren die ersten Exemplare aus Asien im Nordmeer ausgesetzt worden sind. Glücklicherweise sind sie nicht so aggressiv wie die Chinesischen Wollhandkrabben, die sich mit ihren pelzigen Scheren gern durch Deiche und Fischernetze arbeiten. Die im Sealife hocken einfach am Boden ihres Beckens und lassen die Stielaugen kreisen. Damit sind sie deutlich unterhaltsamer als die Pfeilschwanzkrebse, die meist nur auf einer Abbildung neben ihrem Becken zu sehen sind. „Ernährungsweise: Jäger“, steht auf dem Schild. Weil Tarnung alles ist bei der Jagd, verbringen die Pfeilschwanzkrebse ihr Leben größtenteils eingebuddelt im Sand. Bei 13,50 Euro Eintritt ist das ärgerlich. Allerdings gilt dieser Tarif für die gesamte Aquarienwelt und umfasst auch eine Fahrstuhlfahrt durch den riesigen Tropenfischzylinder nebenan. Und was man im Dom-Aquarée nicht findet, gibt’s gegenüber im Nordsee-Restaurant. obs

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