Berlin : Langsam wird’s

Werner van Bebber

Die Berliner Polizei bekommt gesellschaftliche Trends schneller mit als der Rest der Bevölkerung. Ihr soziologischer Spürsinn hat der Polizeiführung jetzt gesagt, dass es Zeit ist, die 5er-BMW loszuwerden und auf dieselgetriebene VW-Tourans umzusteigen.

Zwei Trends werden den Berliner Verkehr in Zukunft stark beeinflussen. Beide haben mit der demographischen Entwicklung zu tun. Immer mehr Berliner werden immer älter werden. Und immer ältere Berliner werden mit ihren Autos auf den immer schlechteren Straßen unterwegs sein. Daraus folgt eine schon jetzt erahnbare Verlangsamung des Straßenverkehrs.

Früher hieß es mal in der Senatsverkehrsverwaltung, man plane die grüne Welle mit einem Durchschnitt von 49 Kilometern in der Stunde. Das wirkt heute wie eine Erinnerung an die Zeit, in der der Steueranteil für einen Liter Benzin bei 50 Pfennig lag. Berlin, die schnelle Stadt, wird jeden Tag ein bisschen langsamer. Dafür haben die Autos der Berliner Klimaanlagen, Sitzheizungen, Sechzehnkanal-Stereo- und Freisprechanlagen. Blickt man, an der Ampel stehend, in die Nachbarautos mit all ihren fröhlich mobiltelefonierenden oder das innerautomobilistische Musik- und Medienangebot studierenden Insassen, zwingt sich ein Schluss dem Betrachter auf: Autos mit 177 PS, so viel haben die 5er-BMW, sind entbehrlich. Wenn der Trend zur neuen Berliner Langsamkeit noch stärker wird, sollten die Autos für berufsbedingt Auto fahrende Polizisten vor allem viel mehr Wohnraum bieten.

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