• „Lasst euch nicht provozieren“ Wie türkische Blätter über den Mord an Theo van Gogh berichten

Berlin : „Lasst euch nicht provozieren“ Wie türkische Blätter über den Mord an Theo van Gogh berichten

-

Noch vier Tage nach dem Mord an dem niederländischen Filmregisseur Theo van Gogh war für die Tageszeitung Türkiye die Welt in Ordnung. „Islam verbreitet sich immer mehr in Europa“, freute sich das Blatt auf der Titelseite. Trotz aller Vorurteile gegenüber dieser Religion habe der Islam in Europa enormen Zulauf. Belegen sollten das Zahlen, die die Türkiye der Reportage eines französischen Magazins entnommen hatte. Im Innenteil zeigte Türkiye konvertierte Franzosen, die sagten, dass sie „den rechten Weg“ gefunden hätten.

Das Konkurrenzblatt Hürriyet berichtete zwar einen Tag nach der Ermordung van Goghs über den „Hollandschock“. Das bezog sich allerdings auf den Plan der niederländischen Regierung, den Ehegattennachzug zu erschweren.

Erst nach den ersten Anschlägen auf religiöse Einrichtungen kam das Thema auf die Titelseiten der türkischen Blätter. „Um Himmels willen, lasst euch nicht provozieren“, zitierte am vergangenen Dienstag die liberale Milliyet den niederländischen Premierminister Jan Peter Balkenende. Zuvor waren auf drei Moscheen und eine islamische Schule ein Brandanschlag verübt worden. „Niemand hat das Recht, die Harmonie in Holland zu zerstören, Nein zum Fanatismus“, titelte Türkiye am Mittwoch, nach dem auf eine Kirche ein Brandanschlag verübt worden war.

Am Freitag wurde dann über das Thema ebenso groß berichtet, wie über den Tod von Palästinenserpräsident Jassir Arafat. „Spannungen im Land der Toleranz“, titelte die Hürriyet, nachdem bei einer Razzia in Holland mutmaßliche Islamisten festgenommen worden waren. „Das Land steht am Rande eines Religionskrieges“, meinte die Zeitung. Türken in Holland seien nun in großer Sorge. Am Sonnabend kommentierte Hürriyet das Thema. Türkische Vereine sollten sich besser um die Integration der Menschen in die europäische Gesellschaft kümmern, als Korankurse zu organisieren. Suzan Gülfirat

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben