Berlin : Laterne, Laterne …

Keine einfache Aufgabe, in Berlin einen richtigen Martinsumzug zu finden

Heike Ruppender

Wir sind aus Süddeutschland und daran gewöhnt, dass es am St. Martinstag Laternenumzüge gibt. In Berlin ist es freilich nicht einfach, seinem Kind so etwas anzubieten. Das Schöne an den Laternenumzügen ist, dass sie der beginnenden dunklen Jahreszeit mit einem bezaubernden Lichtermeer aus selbst gebastelten Laternen begegnen. Singend ziehen Kinder und Eltern durch die Straßen. Wenn man irgendwann zu frösteln beginnt, wird die Geschichte von St. Martin so richtig anschaulich. Denn das Martinsspiel am Ende des Umzuges zeigt, wie ein junger römischer Soldat seinen Mantel für einen frierenden Bettler in zwei Hälften schneidet und mit ihm teilt. Dann entsteht eine Vorstellung von Wärme – der menschlichen und von Nächstenliebe und Mitleid.

Auf der Suche nach einem Berliner Martinsumzug haben wir im Lauf der Jahre bizarre Erfahrungen gemacht. Im Jahr eins fanden wir uns erwartungsfroh mit Kind und Laterne vor unserer Friedrichshainer Kita ein. Wegen Geldmangels gab es erstmals keine Kapelle mehr. Stattdessen ging eine Erzieherin voran, die einen Kassettenrecorder wie einen Ghettoblaster auf ihrer Schulter trug. Niemand sang. Erschwerend kam hinzu, dass der Zug während des Berufsverkehrs an der viel befahrenen Frankfurter Allee entlangführte.

Okay, dachten wir, vielleicht funktioniert ein Martinszug im Westen besser. Im Jahr zwei gingen wir in den Görlitzer Park in Kreuzberg. Nach dem Sammeln vor einem großen Lagerfeuer liefen Eltern und Kinder los – dann aber teilte sich der Zug aus unerfindlichen Gründen. Eine Gruppe ging nach rechts, die andere nach links. Irritiert schlossen wir uns der rechten Gruppe an. Schweigend zogen die Familien durch den dusteren Park. Als uns dann die Haschisch-Rauchschwaden der vor uns gehenden Eltern ins Gesicht zogen, entschlossen wir uns zu gehen.

Im dritten Jahr gab es einen ziemlich authentischen Martinszug mit Pferd und St.-Martin-Darsteller in der benachbarten Kirchengemeinde. Der fiel aber aus unbekannten Gründen ein Jahr später aus, obwohl er gut besucht war.

Der letzte Laternenzug in der Kita war besonders merkwürdig. Die Erzieherinnen hatten einen Termin vor der Zeitumstellung gewählt. Das hatte zur Folge, dass es noch taghell war und die Laternenlichter nicht so recht zur Geltung kommen wollten. Diesmal gab es wieder eine Kapelle – allerdings eine Samba-Band. So zogen dann Kinder mit Laternen hinter einer Samba-Band durch Friedrichshain.

Dieses Jahr ist das Problem gelöst. In der St.-Josef-Gemeinde in Weißensee gibt es einen klassischen Umzug. Wir sind zwar keine Christen, aber es ist einfach tröstlich, den langen, harten Berliner Winter mit einer das Herz erfreuenden Tradition einzuleiten.

St.-Josef-Gemeinde in Weißensee, 11. November, 17 Uhr, Treffpunkt: Antonplatz

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