Ausdauerlauf : Durchhalten lernen

Wie eine Kreuzberger Schule das Ausdauerlaufen für sich entdeckt hat. In der Sportstunde laufen sie allenfalls ein paar Runden um den Platz, diesmal aber wollten sie 10 Kilometer meistern.

Friedhard Teuffel

Bevor es ums schnelle Laufen geht, muss Mohamed El-Asmer erst einmal schnell sprechen. „Jeder eine Startnummer, dann drüben ein T-Shirt nehmen und schnell zum Start, es geht gleich los“, ruft er. Vor ihm stehen zwanzig Schüler, die noch beim 10-Kilometer-Lauf mitmachen wollen. Kurze Zeit später eilen sie alle zum Olympiastadion mit einem blauen T-Shirt, auf dem der Name ihrer Schule steht und hinten ein Fuß gedruckt ist und dazu die Aufschrift „Be supernatural“.

Die Carl-von-Ossietzky-Oberschule am Südstern in Kreuzberg ist in den vergangenen Jahren ein heimlicher Lauftreff geworden. 170 ihrer Schüler starteten am Sonntag über 10 Kilometer, und dazu motiviert hat sie Mohamed El-Asmer. Vor vier Jahren ist er zum ersten Mal selbst mitgelaufen, da war er noch Schulsprecher. Inzwischen hat er Abitur gemacht und absolviert seinen Wehrdienst bei den Feldjägern. Es sollte aber dennoch weiterlaufen mit dieser Initiative an seiner Schule. „Man muss etwas dagegen tun, dass die Schüler nur zu Hause vor dem Fernseher oder Computer rumhängen“, sagt er.

Von den 170 Teilnehmern sind fast die Hälfte Mädchen, einige davon sind mit Kopftuch gekommen. Dass sie auch mitlaufen, findet Mohamed El-Asmer besonders wichtig. „Es ist gut, dass sie sich emanzipieren.“ Sein Engagement für das Laufen ist nur eine von vielen Initiativen, für die er schon mehrfach ausgezeichnet worden ist. In einigen Tagen hat er sogar eine Einladung beim Bundespräsidenten. Die Laufinitiative ist dennoch etwas Besonderes, weil die Schüler im Sportunterricht sonst nicht mehr als einige Runden über den Platz laufen und jetzt auf einmal 10 Kilometer durchhalten sollen.

„Es geht um eine Form von Identifikation, den Namen seiner Schule auf dem T-Shirt zu tragen, schafft ein Gemeinschaftsgefühl“, sagt Gabriele Kremkow, die an der Schule Sport und Französisch unterrichtet. Dass die Initiative weitergeht, wenn Mohamed El-Asmer einmal wegen seines bald beginnenden Studiums nicht mehr kann, dafür wird nicht nur Gabriele Kremkow sorgen. Einer von El-Asmers Brüdern ist jetzt Schulsprecher und stand am Sonntag ebenfalls am Start – im blauen Schul-T-Shirt.Friedhard Teuffel

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