Berlin : Laut CDU-Ministerin Schavan sollen sich islamische Gruppen auf einen Lehrplan einigen

Johannes Metzler

Annette Schavan gehört nicht zu jenen Politikern, die die Vision eines kunterbunten multikulturellen Deutschlands vor Augen haben, in dem unterschiedlichste Sprachen und Religionen gleichberechtigt nebeneinander stehen - sie ist stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU und Vizepräsidentin des Zentralkommittees der Deutschen Katholiken. In ihrer Funktion als Kultusministerin von Baden-Württemberg untersagte sie 1998 die Übernahme einer Muslimin in den Schuldienst - die junge Frau hatte sich geweigert, für den Unterricht ihr Kopftuch abzunehmen.

Überraschend tolerant äußerte sich Schavan jedoch am Montag abend in der Katholischen Akademie zu der Frage, ob islamischer Religionsunterricht in Deutschland eingeführt werden solle: Vor 130 Zuhörern forderte sie, den Unterricht auch anderen Weltreligionen zu öffnen. In Berlin hat die Frage durch die Zulassung der Islamischen Föderation als Religionsgemeinschaft neue Brisanz gewonnen.

Religionsunterricht sei die Vermittlung von Religion als "gesellschaftskritischer Kraft" und solle nicht Werte, sondern "religiöse Sprachfähigkeit" vermitteln. Mit Indoktrination habe das nichts zu tun. Gerade der kritische Gehalt des Religionsunterrichtes sei nur dann gesichert, wenn sich der Staat aus den Inhalten heraushalte. Eine von der Politik verordnete "Islamkunde" mache darum wenig Sinn: "Religion ist keine Frage der Information, sondern des Öffnens für Erfahrungen", sagte Schavan. In welche Richtung diese Erfahrungen zielen, müsse offen bleiben: "Wer den Religionsunterricht, so wie ich ihn verstehe, bejaht, kann keinesfalls davon ausgehen, dass er ein Monopol der Christen ist." Die Ministerin berichtete von den Erfahrungen, die sie in ihrem Bundesland mit islamischen Gemeinden gemacht hat. Die Vorbereitungen für einen Lehrplan seien kein einfaches Unterfangen: "Die Herausbildung repräsentativer Strukturen innerhalb des Islams in Deutschland steht ganz am Anfang." Diese seien erforderlich, weil der Staat einen Ansprechpartner brauche. Die unterschiedlichen Gruppen islamischer Konfession müssten sich auf einen gemeinsamen Lehrplan einigen, nicht jede Gruppierung dürfe eigenen Unterricht organisieren. Ein in deutscher Sprache abgehaltener Religionsunterricht, dessen Inhalte von einer Mehrheit der Muslime getragen würde, könnte einen wichtigen Beitrag zur Integration von Bürgern nicht-deutscher Herkunft leisten.Das Thema im Internet www.meinberlin.de/forum , Kanal Bildung

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