Berlin : Lauter Geschmacksfragen

Woher kommen Kakao, Obst und Co.? Eine Spurensuche im Tagesspiegel-Salon

Daniela Martens

Eigentlich waren sie auf die Grapefruit vorbereitet. Aber jetzt will das Publikum etwas über Guaven hören. Also legen Andrea Kurmann und Gerda Müller los. Das Schauspielerinnen-Duo vom Erzähltheater „Sofa Mobile“ erfindet Geschichten beim Erzählen. Wie die von der „gigantischen, mordsmäßigen, duftenden Guave“und dem „mickrigen Kolibri“, der sich in die Frucht verliebt. Zum Schluss kommt noch der Millionär vor, der die Guave für 250 000 Euro kauft, um sie „ganz allein an seiner Festtafel zu verschlingen“.

Hinter den beiden Schauspielerinnen guckt ein Bodhisattva hervor. Die graue Schieferskulptur ist mehr als 2000 Jahre alt und stammt aus Indien. „Ein Bodhisattva ist im Buddhismus ein erleuchtetes Wesen, das Wunder tätigen kann – zum Beispiel kann es zu jeder Jahreszeit Mangos wachsen lassen“, erklärt Kati Weise vom Museum für indische Kunst in den Museen Dahlem. Genau dort ist das Sofa-Mobile-Duo an diesem Abend zu Besuch – im Tagesspiegel-Salon. Vorgestellt wird die Serie und Hörbuchreihe „Wie Europa auf den Geschmack kam“. Um Schokolade geht es da, um Kaffee, Gewürze, Zucker und eben Südfrüchte wie Mangos, Guaven und Grapefruit: um die Ursprünge und darum, wie all diese exotischen Genüsse zu etwas Alltäglichem für uns wurden.

„Wie die Ananas in die Dose kam“, erklärt Sofa Mobile auf einer der fünf CDs: Der Südsee-Maler Gauguin packte sie rein. „Das ist zwar Unsinn, aber sehr lustig“, sagt Birgitt Claus von der Firma „eßkultur“. Sie ist eine der beiden Autorinnen der Serie. Gemeinsam mit Tagesspiegel-Redakteurin Dorothee Nolte hat sie die Texte geschrieben und ausgewählt. Birgitt Claus ist an diesem Abend auch für die Verpflegung der 150 Gäste zuständig. Passend zum Thema gibt es ein Früchte-Curry.

Über Schokolade haben alle Besucher vorher etwas erfahren – im Ethnologischen Museum zwischen Kakao-Töpfen der Maya. Zum Beispiel von Maya-Expertin Marie Gaida. Der Schauspieler Paul Sonderegger las aus einem Reisebericht aus dem 16. Jahrhundert vor: Wie der Aztekenherrscher Moctezuma aus einem goldenen Becher ein Gebräu trank, das „gewisse Triebe wecken soll“ – dem Kakao wurde aphrodisierende Wirkung nachgesagt. Chemie-Professor Klaus Roth erklärte, dass Schokolade das einzige Lebensmittel ist, das bei Raumtemperatur hart ist und im Mund schmilzt. Und Tagesspiegel-Redakteurin Elisabeth Binder las eine Liebeserklärung an Brownies – „weich, feucht, das Ideal in der Mitte zwischen Kuchen und Schokolade“. „Ich hatte den Geschmack auf der Zunge“, sagt der 61-jährige Sonderschullehrer Manfred Heinze hinterher. Und nie würde er auf Kakao oder eines der anderen ehemals exotischen Genussmittel verzichten wollen.

Die Hörbuchreihe „Wie Europa auf den Geschmack kam“ ist im Internet unter www.tagesspiegel.de/shop/ oder telefonisch unter 26009-582, in der Tagesspiegel-Geschäftsstelle (Potsdamer Straße 77-81), bei eßkultur in den Museen Dahlem und in allen Lindner-Filialen erhältlich (alle fünf CDs im Schuber für 39 Euro, einzeln 9,90 Euro).

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