Berlin : Lauter Protest, keine Gewalt

Rund 1200 Muslime demonstrierten vor der dänischen Botschaft friedlich gegen Karikaturen des Propheten Mohammed

Jörn Hasselmann

Die Demonstranten trugen Plakate wie „Pressefreiheit ja – Pressefrechheit nein“ und „Die Würde aller Propheten ist unantastbar“. Andere Muslime hatten Reime dabei wie „Provokateure in der EU – den Propheten lasst in Ruh’“. Rund 1200 Muslime protestierten gestern Nachmittag vor der Dänischen Botschaft in Tiergarten gegen die von einer dänischen Zeitung veröffentlichen Karikaturen des Propheten Mohammed. Es blieb friedlich.

Unter den Demonstranten waren nach Einschätzung des Staatsschutzes keine der geschätzten 4000 Berliner Islamisten. Dies hatte sich bereits am Freitag abgezeichnet, nachdem nur eine berüchtigte Moschee in Kreuzberg zur Teilnahme aufgerufen hatte. Dennoch war das Karree der Nordischen Botschaften stark gesichert. Der Dannebrog, die dänische Fahne, blieb verborgen hinter einer dichten Wand von Polizeiautos. Die Sicherheitskräfte demonstrierten zwar Stärke mit Hunden und hunderten Sperrgittern, die Wasserwerfer waren jedoch einige Straße entfernt postiert – um nicht zu provozieren, wie es hieß.

Zwischen den zunächst nur spärlich ankommenden Gruppen von Türken und Arabern patrouillierten Polizisten mit Feuerlöschern auf den Rücken – damit sich die Bilder aus dem Nahen Osten mit brennenden Flaggen oder Menschenpuppen nicht wiederholten. Diese Auflagen – kein Feuer, keine Schmähungen – hatte die Polizei zuvor erteilt. Entgegen anders lautender Meldungen gab es keine Auflage, nur in deutscher Sprache zu reden. Tatsächlich wurde auf der 90-minütigen Kundgebung fast nur Türkisch gesprochen, manchmal wechselten sich deutsche Parolen („Pressefreiheit ja – Beleidigung nein“) mit „Allahu akbar“ (Allah ist groß)ab.

Bis gegen 13.45 Uhr waren mehr Journalisten anwesend als Demonstranten. Eine ältere, verschleierte Frau redete sich während der Wartezeit vor der Kamera eines japanischen TV-Senders in Rage: „Warum hassen die uns … wir hassen doch auch keine Christen … die sollen uns in Ruhe lassen …“ Einige Meter weiter hatten sich einige Gegendemonstranten zusammengefunden: Einer hielt ein Schild hoch „Werdet erwachsen“, ein anderer rief: „Demonstriert doch in Ägypten“, ein Dritter hatte eine dänische Flagge dabei. Diskret baten Polizisten das Grüppchen, die Fahne einzurollen und nicht zu provozieren. Ebenso unauffällig holte die Polizei einige verbotene Fahnen aus der größer werdenden Menge.

Als sich schließlich mehrere hundert Teilnehmer eingefunden hatten, stieg der Anmelder der Demonstration auf das Podest, der Neuköllner Geschäftsmann Ercan Alagöz. Mit Freunden hat er die Demo organisiert, eine Organisation steht nicht dahinter, Polizei und Verfassungsschutz bestätigen dies. Um seinen Protest zu untermauern, hat Alagöz, im dunklen Anzug und rosafarbener Krawatte, ein Zitat aus dem Grundgesetz ausgewählt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

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