Berlin : Leben in die Bude

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VON TAG ZU TAG

Christian van Lessen über

ein verlockendes Angebot

Der Palast der Republik, mehr oder weniger tot gesagt, bekommt wieder Leben in die Bude. Vorübergehend werden die Massen durch sein Inneres schlendern. Mit feuchten Augen sich an die Glanzzeiten erinnern oder in Visionen das Haus auferstehen sehen.

Sie werden sich fragen, warum die gute Substanz des Bauwerks, endlich von Asbest befreit und offensichtlich auf Nutzung wartend, nur für Besichtigungen taugen soll. Mit anderen Worten: Der Palast der Republik wird in der langen Diskussion um seine Exisitenzberechtigung wieder mal einen Punktsieg gegen das Schloss erringen. Und die Verantwortlichen von Bund und Berlin, die immer wieder versichern, für eine Zwischennutzung sei kein Geld da, müssen vielleicht neue Argumente finden, zumal auch für einen Abriss des Hauses kein Geld da ist. Und vielleicht hat jemand die Idee, wenigstens ein Stückchen Schlossfassade an den Palast zu hängen, dann wären zumindest einige Schlossbefürworter erst mal beruhigt.

Befreit von der giftigen Altlast wirkt das einstige DDRStatussymbol jedenfalls wie ein lockendes Angebot. Wie eine Aufforderung, sich doch noch mal Gedanken zu machen über seine Zukunft. Über das Schloss, das hier gebaut werden soll, spricht ohnehin kaum noch jemand. Abreißen – so die Botschaft der Initiatoren der Palast-Visite – ist kein Weg, sich von einem Stück Geschichte zu trennen. Das Schloss Schönhausen, gerade noch als Sitz des Bundespräsidenten im Gespräch, will auch keiner abreißen, auch wenn sich im Dach die Gifte aus DDR-Zeiten gegen einen Einzug des Bundespräsidenten wehren. Ein weiterer Ersatz böte sich in zentraler Berliner Lage an, wenn man nur das Geld für einige Umbauten hätte. Aber lassen wir das. . .

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