Berlin : Leben nach der Entgleisung

Die Güterbahnhöfe waren einst lebenswichtig für Berlin. Dann kam das Aus, die Gelände lagen brach. Jetzt tut sich wieder was

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Neue Perspektiven. Der Park führt unter der U-Bahn entlang, vom Landwehrkanal bis zur Yorckstraße. Foto: Kitty Kleist-Heinrich
Neue Perspektiven. Der Park führt unter der U-Bahn entlang, vom Landwehrkanal bis zur Yorckstraße. Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Der Hauptbahnhof zeigt Größe, doch das Eisenbahnzeitalter in Berlin ist längst vorbei. Früher gab es Dutzende Bahnhöfe, fürs Reisen, aber mehr noch, um das Volk mit allem Lebenswichtigen zu versorgen: Kohle, Diesel, Holz, Ziegel, Gemüse, Geflügel. Das erledigen inzwischen Lkw. Die meisten Güterbahnhöfe der Stadt sind stillgelegt, doch langsam kommt wieder Leben in die „entgleisten“ Brachen. Wohngebiete, Gewerbeflächen und Parkanlagen werden entstehen. Im September haben die Arbeiten für den Gleisdreieck-Park begonnen, auf dem Güterbahnhof Grunewald sind großzügige Villen in Planung, und in Pankow-Heinersdorf will Möbelkönig Kurt Krieger ein großes Einkaufszentrum entwickeln.

Park Gleisdreieck

Auf den Gleisanlagen der ehemaligen Güterbahnhöfe der Potsdamer und Anhalter Bahn entsteht derzeit ein 26 Hektar großer Park mit Spielplätzen, Liegewiesen, Bahnrelikten (etwa eine Milchladerampe und eine Gleiswaage), Wäldchen, Sportflächen und einem Café. Rund 11,6 Millionen Euro werden dafür verbaut. Mitten hindurch führt die ICE-Trasse zwischen Hauptbahnhof und Südkreuz.

„Eurocity“ an der Heidestraße

Der ehemalige Containerbahnhof an der Heidestraße, früher als „Hamburg-Lehrter Güterbahnhof“ bekannt, soll Teil des neuen Geschäftszentrums „Eurocity“ auf der Brache nördlich des Hauptbahnhofs werden. Hier soll ein Hochhaus für den Mineralölkonzern Total entstehen, aber auch ein Wohnviertel.

Moabiter Stadtgarten

Noch in diesem Jahr beginnt der Bau eines Gastronomiegroßmarktes östlich der Beusselbrücke. Weitere Flächen des Güterbahnhofs Moabit sollen durch eine neue Straße erschlossen werden. Ein Teil des Geländes wird als „Moabiter Stadtgarten“ zu einem Park umgestaltet.

Wriezener Freiland-Labor

Der ehemalige Wriezener Bahnhof in Friedrichshain beherbergt heute Baumärkte und einen Metro-Großmarkt. Als Grün-Ausgleich wird an der Helsingforser Straße ein Bürgerpark geplant, mit einem schulischen „Lernraum im Freien“, W-Lan-Zugang und Solarenergienutzung. Alles zusammen nennt sich das „Wriezener Freiland-Labor“.

Wohnen am Mauerpark

Auf dem Gelände des Mauerparks, westlich der Schwedter Straße, die den Park durchtrennt, lagen früher Gleise des Güterbahnhofs Eberswalder Straße. Mit dem Mauerbau war dessen Schicksal besiegelt. Jetzt gibt es hier Gewerbe, einen Flohmarkt und Szenelokale. Auf einem Teil des Zehn-Hektar-Areals will die Firma Vivico sechs- bis siebengeschossige Häuser bauen. Gleichzeitig wird der Park nach Westen erweitert. Das letzte Wort über die endgültige Gestaltung des Areals ist aber nicht gesprochen. Kürzlich wurde schon einmal ein tragfähiger Kompromiss zwischen den Behörden und Anwohnern, die sich gegen eine Bebauung stemmten, präsentiert.

Wintergarten am Halensee

Vom Güterbahnhof Halensee wurden einst auch die Toten zum Südwestkirchhof in Stahnsdorf transportiert. Als neue Nutzung des Geländes war ein Einkaufscenter im Gespräch, doch jetzt soll noch in diesem Jahr ein Bauhaus-Markt entstehen, direkt an der Stadtautobahn. Weil aber auch der Ku’damm in der Nähe ist, wird die Architektur mit einer Wintergarten-Front aufgehübscht. Zur S-Bahn ist ein „Nachrichten-Crawl“ geplant, also eine große elektronische Laufschrift.

Neue Stadthäuser für Schöneberg

Am Innsbrucker Platz liegt der Güterbahnhof Wilmersdorf, der zu Schöneberg gehört. Das 60 000 Quadratmeter große Areal soll im südlichen Bereich mit Stadthäusern bebaut werden, nördlich zur Abschirmung der Autobahn sind Gewerbeflächen vorgesehen. Ein Möbelmarkt, der angesiedelt werden sollte, ist aus dem Rennen. Das Gelände gehört der Bahn.

Busplakatierung in Charlottenburg

An der Sophie-Charlotten-Straße beklebt der Stadtwerber Wall BVG-Busse mit den großen Werbetransparenten. Außerdem hat sich hier ein Donut-Produzent niedergelassen. Kleinere Flächen des ehemaligen Güterbahnhofs Charlottenburg (Westend) sind noch zu vergeben.

Möbel-Shopping in Heinersdorf

Möbel-König Kurt Krieger hat das Gelände zwischen den S-Bahnhöfen Pankow und Heinersdorf gekauft und will hier angeblich für bis zu 250 Millionen Euro ein großes Einkaufszentrum mit Möbelmarkt bauen. Nebenan soll ein großer Park entstehen. Das riesige Gelände – 250 000 Quadratmeter groß – war einst Berlins größter Warenumschlagplatz.

Grunewald-Villen hinterm Deich

Gelehrte, Künstler und Magnaten sollen sich auf dem ehemaligen Güterbahnhof Grunewald ihre Berlin-Residenz bauen. 87 000 Quadratmeter stehen zur Verfügung. Zur S-Bahn wurde ein großer Lärmschutzwall aufgeworfen – jetzt sei es hier wie „Wohnen hinterm Deich“, sagt Baustadtrat Klaus-Dieter Gröhler.

Ärztehaus am Schlachtensee

Nach vielen erfolglosen Projektentwürfen stehen nun die ersten Bauten auf dem Areal des Güterbahnhofs Schlachtensee. Ein kleines Einkaufszentrum mit Ärztehaus hat eröffnet, ein Aldi-Markt ist in Planung und ein kleines Wohngebiet.

Solarfirma auf dem „Kohlebahnhof“

Am Technologie- und Wissenschaftspark Adlershof liegt der ehemalige „Kohlebahnhof“. Das fünf Hektar große Areal hat sich die Solarfirma Solon gesichert.

Technologie am Bahnhof Schöneweide

Fast 50 Hektar groß ist der Güterbahnhof Schöneweide. Vor einer Bebauung müsste aber ein Gleis verschoben werden. Laut Bahn AG sollen sich hier innovative Firmen wie im benachbarten Technologiepark Adlershof ansiedeln.

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