Berlin : „Lebensfreude pur“

Wowereit unterstützt Leder- und Fetisch-Fest

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Die CDU hat den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit kritisiert, weil er ein Straßenfest der Leder und Fetischszene in Berlin mit einem Grußwort unterstützt. Die Veranstaltung liege „jenseits der guten Sitten“, sagte der CDU-Generalsekretär Frank Henkel. Seiner Vorbildfunktion als Politiker werde Wowereit mit dem Grußwort nicht gerecht.

Stein des Anstoßes ist das „Folsom Europe“, das am 3. September zum zweiten Mal in Berlin stattfindet. Für das Fest und die Partys wirbt ein Flyer mit der Zeichnung eines jungen Mannes, der eine Gasmaske trägt und an ein Männer-Pissoir gekettet ist. Wowereit in seinem Grußwort: „Das erste Septemberwochenende steht ganz im Zeichen von Lebensfreude pur.“ 15000 Anhänger der Leder- und Fetischszene aus aller Welt werden erwartet. Vorbild ist das „Folsom Street Fair“ in San Francisco.

„Folsom Europe“ feierte 2004 erstmals in der Fuggerstraße in Schöneberg und präsentierte sich auf der Internationalen Tourismusbörse (ITB). Die Veranstaltung, an der sich auch der „Verein lesbischer und schwuler Polizeibediensteter“ beteiligte, wird von der Industrie- und Handelskammer (IHK) und der Berliner Tourismus-Marketing GmbH (BTM) unterstützt. Einer der Hauptsponsoren ist Becks-Bier. Die Überschüsse werden für soziale Zwecke gespendet.

Nach Informationen des „Berliner Instituts für Faschismus-Forschung“ gehört aber auch ein Laden namens „Mr. B“ zu den Sponsoren, in dem unter anderem rassistische Comics verkauft würden. Senatssprecher Michael Donnermeyer hielt dem entgegen, dass die Grußwort-Anfrage der Organisatoren gründlich geprüft worden sei. Ein rassistisch-diskriminierender Hintergrund oder Verbindungen zur Neonazi-Szene seien nicht erkennbar. Die Senatskanzlei werde dem Vorwurf rechtsradikaler Kontakte aber nachgehen. „Man kann diese Szene für schrill halten, aber es sind Touristen aus aller Welt und sie bringen Geld.“

Veranstalter des Fests ist der eingetragene Verein „Folsom Europe“, der allerdings nicht gemeinnützig ist. Eine finanzielle Unterstützung aus öffentlichen Kassen erhalten weder der Verein noch das Straßenfest. Im vergangenen Jahr fiel das Fest noch deutlich kleiner aus, weshalb die Organisatoren auf ein Programmheft verzichteten.

Wowereit erklärte, dass er zum Grußwort stehe. Das Fest passe zu einer weltoffenen, toleranten Metropole. oew, za

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