Berlin : Lebenslang für Mord an Öl-Millionär Malicha

Der frühere US-Soldat Anthony D. ist am Mittwoch vom Landgericht wegen Mordes an dem Ölmillionär Gerhard Malicha und versuchten Mordes an dessen Pflegerin zu lebenslanger Haftstrafe verurteilt worden. Der 39-Jährige aus Pennsylvania wurde noch im Gerichtssaal verhaftet. Das Urteil nahm der farbige Dachdeckerhelfer äußerlich gelassen entgegen. Es handelte sich schon um den dritten Durchgang eines spektakulären Indizienprozesses.

Nach mehr als einjährigem Prozess sagte Richterin Gabriele Strobel zum Angeklagten: "Wir haben keinerlei Zweifel an Ihrer Schuld." Der 69-jährige Malicha sei am 28. August 1995 in seiner Dahlemer Villa als Zeuge ausgeschaltet worden. Seine damals 34-jährige Pflegerin sei das eigentliche Ziel des Verbrechens gewesen. Die Frau überlebte das Blutbad und ist bis heute schwerst behindert. Die Frau habe zuvor das Verlöbnis gelöst und den Angeklagten der Wohnung verwiesen. "Er war so erbost, dass er sie bestrafen wollte", sagte Strobel. Die Friseuse habe seinen Lebenswandel mit Liebschaften, Schulden und Lügen nicht mehr ertragen.

Tränen flossen bei den Eltern der Pflegerin. "Endlich ist Gerechtigkeit gesprochen worden, unsere Tochter wird sich freuen", sagte der Vater. Nach dem ersten Schuldspruch 1997 war der US-Amerikaner zwei Jahre später freigesprochen worden. Richter Hans Boss hatte das Urteil 1999 begründet, dass "im schillernden Umfeld eines alternden Millionärs auch andere Täter in Betracht kommen könnten". Das Tauziehen um Freiheit oder Gefängnis geht jedoch weiter. Denn die Verteidigung hat Revision angekündigt.

Einen Raubmord schloss Richterin Strobel jetzt aus. Zwar seien rund 700 000 Mark verschwunden, aber im Tresor seien leicht zugänglich 10 000 Mark unangetastet gefunden worden. Der Angeklagte hatte im dritten Prozess geschwiegen. In der Villa in der Bitterstraße gab es keinerlei Spuren von ihm. Die Hauptrolle als Zeugin gehörte der Pflegerin, die nach Überzeugung des Gerichts trotz Hirnschädigungen im Kerngeschehen eine wahrhaftige Erinnerung habe. Als Indiz für die Täterschaft des Amerikaners werteten die Richter auch Tritte und Schläge gegen seine bisherigen Freundinnen. "Gewalt sei ihm nicht fremd", hieß es im Urteil.

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