Berlin : Lebensmittel-Test: Fäkalien und Keime in Bierschinken

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Allein die Begriffe verschlagen einem den Appetit. "Talgig, muffig, seifig, ranzig, ammoniakalisch" - so roch und schmeckte der Aufschnitt, den das Team der Stiftung Warentest aufs Brötchen und unters Mikroskop legte. Die ernüchternde Bilanz: Sechs von 17 eingekauften Bierschinken "waren am Mindesthaltbarkeitsdatum bereits vergammelt und hätten nicht mehr verkauft werden dürfen", sagte Test-Chefredakteur Hubertus Primus. Fünf weitere Wurstprodukte erwiesen sich wegen hoher Anteile etwa an Hefe und Milcheiweiß "am Rande des Verderbs". Am erschreckendsten jedoch die Diagnose beim "Landschmecker"-Bierschinken von Edeka. Dort wiesen die Tester Listerien nach: Krankheitserreger, die bei immungeschwächten Menschen eine grippeähnliche Infektion gar mit Todesfolge auslösen können, sagte Warentest-Bereichsleiter Peter Sieber gestern im Hotel Berlin.

Bei den im aktuellen Heft nachzulesenden Warentests vom Sommer 2000 unter Leitung von Lebensmittelchemiker Jochen Wettach wurden auch Fäkalkeime und Salmonellen in Bierschinken gefunden. "Ich hatte nicht erwartet, dass bei einer so großen Anzahl von Herstellern bei der Lebensmittelhygiene offenbar sehr sorglos vorgegangen wird", sagte Sieber. Vermutlich gehöre auch mangelnde Kühlung zu den Ursachen. Bei Vergleichstest mit Bierschinken von Frisch-Theken aus hessischen Supermärkten fiel die Bilanz nicht viel besser aus.

Auf die Frage, inwieweit man angesichts der Wursttests von zahlreichen Supermärkten in ganz Deutschland Rückschlüsse auf die Qualität heutiger Ware ziehen kann, hieß es bei der Stiftung, die große Anzahl unbefriedigender Qualität stimme bedenklich. BSE-Risikomaterial wurde bei Folgetests im Dezember 2000 in keiner Probe gefunden, in einem Fall war jedoch Rindfleisch enthalten, obgleich dies auf der Verpackung nicht angegeben war. Geschmacklich und hygienisch überzeugen konnten nur zwei Produkte: Der "Dulano Gourmet Bierschinken" von Lidl und der "E.Ahrent Delikatess Bierschinken" von Plus.

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