Lebensmittelhygiene : Ekellisten: Marzahn verleiht Gaststätten einen Sauberbär

Marzahn-Hellersdorf setzt ab August dem Pankower Smiley- und Ekellistensystem ein eigenes Gütesiegel entgegen. Der Bezirk will nur über ordentliche Lokale informieren.

Werner Kurzlechner
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Blitzsauber. Restaurant mit blank geputzter Küche können sich in Pankow schon jetzt um einen Smiley bewerben. Die Nachfrage ist...

Der Berliner Bär ist eine echte Marke, allerdings nicht unbedingt als Saubermann bekannt. Trotzdem wird er bald zu einem Symbol für hygienisch einwandfreie Gaststätten werden. Marzahn-Hellersdorf setzt ab August dem Pankower Smiley- und Ekellistensystem ein eigenes Gütesiegel entgegen, auf dem ein grüner Bär zu sehen ist. Anders als in Pankow wird es für die Verbraucher lediglich Informationen über ordentliche Lokale geben, aber keine Negativliste. Eine Runde von Stadträten einigte sich am Freitag darauf, das konkurrierende Modell zur Verbesserung des Verbraucherschutzes lediglich in einem Bezirk auszuprobieren. Zuvor hatten auch Lichtenberg und Steglitz-Zehlendorf angekündigt, mitmachen zu wollen.

„Es macht ja keinen Sinn, jetzt in der halben Stadt ein anderes Modell auszuprobieren“, sagte Jens-Holger Kirchner, Stadtrat für öffentliche Ordnung in Pankow. Die Stadträte hätten sich darauf verständigt, dass beide Wege lediglich in jeweils einem Bezirk getestet werden sollen. So bleibt Pankow der einzige Bezirk, der Schmuddelbilder veröffentlicht.

In Marzahn-Hellerdorf sollen künftig alle sauberen Betriebe nach Kontrolle auf Antrag ein positives Zertifikat bekommen. „Wir werden sehr scharfe Kriterien haben“, sagt Wirtschaftsstadtrat Christian Gräff (CDU). Nur die gesetzlichen Standards zu erfüllen, genüge fürs Bärenpradikat nicht. Wer innerhalb des vergangenen Jahres gegen Auflagen verstoßen habe, falle durchs Raster, so Gräff.

Entstanden ist das Alternativmodell aus einer Initiative von Bezirken, die die Pankower Negativlisten skeptisch betrachten. Von Ekelfotos im Internet hält auch Lichtenbergs Wirtschaftsstadtrat Andreas Prüfer (Linke) nichts. Teilweise seien sie veraltet, schnelle Nachprüfungen schwer zu gewährleisten. Einen Smiley für saubere Läden bietet zwar auch Pankow an. Wegen mangelnder Nachfrage ist er erst an 13 Lokale vergeben. „Wir müssen wahrscheinlich bald eine Werbekampagne starten“, sagt Kirchner.

„Uns war wichtig, eine gemeinsame Lösung mit der Wirtschaft zu finden“, so Prüfer. Den Segen des Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) hat der grüne Bär jedenfalls. „Es ist ja kein weiterer Pranger geplant“, sagt Klaus-Dieter Richter, Vizepräsident der Dehoga Berlin. Mit öffentlich dokumentierten Kontrollen könne der Verband gut leben und wolle mit Hygieneschulungen selbst zum Gelingen beitragen.

Marc Schulte (SPD), Wirtschaftsstadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf, ist hingegen davon überzeugt, dass auch die Veröffentlichung negativer Ergebnisse notwendig sei. „Unter den Bezirken herrscht Konsens, dass das dänische Smiley-System das Nonplusultra ist“, so Schulte. In Dänemark werden Kontrollergebnisse so zeitnah und detailliert transparent gemacht, wie es hierzulande das bundesweite Verbraucherinformationsgesetz unmöglich macht. Die Senatsgesundheitsverwaltung plant, noch vor der Sommerpause eine Bundesratsinitiative zur Novellierung des Gesetzes auf den Weg zu bringen, wie es mehrere Bezirke schon schon öffentlich gefordert haben. „Zum Beispiel sollten Behörden Informationen einfacher an die Bürger verbreiten können als bisher“, sagt Sprecherin Marie-Luise Dittmar.

Nach Auswertung der Ergebnisse aus Pankow und Marzahn-Hellersdorf strebe man auf alle Fälle eine berlinweit einheitliche Lösung an, betont Schulte. In einem weiteren Punkt hätten sich die Bezirke schon geeinigt. Sie wollen die Kriterien für eine Restaurantschließung vereinheitlichen. „Momentan werden unsaubere Lokale in Pankow sofort geschlossen, bei uns erhalten sie noch eine einstündige Gnadenfrist zum Putzen“, so Schulte.

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