Lebensmittelkontrolle : Berlinweites Hygiene-Barometer verzögert sich

Pankow führt die Lebensmittel-Smileys wieder ein, denn es gibt Streit um Prüfberichte im Internet. Eine Frage ist: Verdient ein Gastwirt Schutz, in dessen Küche tote Ratten liegen?

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Dieses Fleisch hätte bei höchstens 7 Grad Celsius gelagert werden müssen. Doch die Kontrolleure maßen 10,6 Grad - und damit gute Chancen für krankmachende Keime. Die Fotostrecke zeigt, worauf die Lebensmittelkontrolleure in Pankow bei ihren Inspektionen gestoßen sind. In direktem Zusammenhang mit den Betrieben, die der Bezirk in seiner Negativ-Liste veröffentlicht, stehen die Fotos nicht - aber denkwürdig sind die Aufnahmen allemal.Alle Bilder anzeigen
Foto: Bezirksamt Pankow
24.10.2011 17:00Dieses Fleisch hätte bei höchstens 7 Grad Celsius gelagert werden müssen. Doch die Kontrolleure maßen 10,6 Grad - und damit gute...

Die Fotos verderben einem schnell den Appetit – schimmlige Lebensmittel, verdreckte Fußböden, pilzige Kühlschränke mit unbedecktem Essen darin: Was das Bezirksamt Pankow an Bildern von Lebensmittelkontrollen ins Internet gestellt hat, ist ekelerregend. In vielen Bezirken wird der Kunde dies aber vorerst nicht oder verspätet erfahren – es wird noch gestritten, ob Wirte Widerspruch gegen die Veröffentlichung einlegen können.

Jeder Bezirk handhabt das anders, und so kommt es, dass es auf der Internetseite www.berlin.de/sicher-essen beispielsweise über Lichtenberg bereits 64 Prüfergebnisse aufgelistet sind, über Neukölln aber nur eines. Und drei Bezirke tauchen gar nicht auf. Pankow ist von dem ganzen Hickhack so genervt, dass sich der Bezirk seiner Vorreiterrolle besann und nun auf Bewährtes zurückgreift: Ab November kommt der Smiley zurück, und es werden Details der Prüfungen ins Internet gestellt – also nicht nur die Zahl der Minuspunkte, sondern auch die Gründe dafür. Am berlinweiten System nimmt der Bezirk weiter teil.

„Ich habe keine Lust, mir unsere Erfolge von irgendwem kaputtmachen zu lassen, der meint, dass tote Ratten in der Küche schützenswert sind“, sagt Stadtrat Jens-Holger Kirchner (Grüne). Sein Bezirk hatte 2009 eine Positivliste, eine Negativliste und die Smileys eingeführt. Dann kam das Thema bundesweit auf die Tagesordnung: Auf der Grundlage des Verbraucherinformationsgesetzes sollte es das Hygienebarometer als einheitliche Lösung geben. So beschlossen es die Verbraucherschutzminister am 19. Mai auf einer Sonderkonferenz in Bremen.

Doch die Wirtschaftsministerkonferenz lehnte das zweieinhalb Wochen später ab, weil sie – wie Handelskammer und Gewerbetreibende – befürchteten, dass von dem Prüfergebnis eine Prangerwirkung ausgehen könne. Daraufhin beschloss die nächste Verbraucherschutzministerkonferenz am 16. September in Bremerhaven, eine Arbeitsgruppe einzusetzen, in der Vertreter beider Seiten Lösungen finden sollen. Der ursprünglich avisierte Termin Januar 2012 für das Inkrafttreten ist damit nicht mehr zu halten.

Lesen Sie auf Seite 2, welche Probleme - und welchen Streit - es speziell in Berlin gibt.

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