Lebensmittelskandal : Dioxin-Fleisch auch in Berlin und Brandenburg

450 Tonnen dioxinverseuchtes Schweinefleisch aus Irland sollen auch in Brandenburg gelandet sein. Zusätzlich gelangten rund 87 weitere Tonnen nach Berlin - die eventuell schon verbraucht worden sind. Mehrere verarbeitende Fleischbetriebe und ein Kühlhaus werden derzeit überprüft.

Sigrid Kneist,Moritz Honert

Berlin/PotsdamDer Skandal um dioxinverseuchtes Fleisch aus Irland hat jetzt auch die Region Berlin-Brandenburg erreicht. Es sei davon auszugehen, das 450 Tonnen verseuchtes Schweinefleisch über Zulieferer aus Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein nach Brandenburg und weitere rund 87 Tonnen nach Berlin gekommen sein könnten, teilten der Senat und die Potsdamer Landesregierung mit. In Berlin wurde das Fleisch den Angaben zufolge an Betriebe in den Bezirken Tempelhof-Schöneberg, Reinickendorf und Spandau geliefert. Die Veterinärämter überprüften bereits, ob das Fleisch weiter verarbeitet wurde. Es könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass es bereits verbraucht wurde. Auf der Kontrollliste stünden derzeit mehrere verarbeitende Fleischbetriebe und  Kühlhäuser. Sollten die Berliner Veterinäre und Lebensmittelkontrolleure noch entsprechendes Fleisch finden, werde es sofort beschlagnahmt und vom Markt genommen, teilte die Senatsgesundheitsverwaltung mit.

Auch in Brandenburg prüfen derzeit die Amtsveterinäre in den Unternehmen, ob sich der Verdacht bestätigt. Wie Landwirtschaftsminister  Dietmar Woidke (SPD) sagte, habe man über die Chargennummern, die durch das EU-Schnellwarnsystem an das Agrarministerium weitergeleitet wurden, die Lieferungen verfolgen können.

Das Seveso-Gift

Die Bezeichnung Dioxin steht im allgemeinen Sprachgebrauch für zwei ähnliche aufgebaute Gruppen von organischen Verbindungen, den polychlorierten Dibenzo-p-dioxinen und den Dibenzofuranen (PCDD bzw. PCDF).

Sie entstehen bei Verbrennungsvorgängen, bei denen Halogene wie Chlor beteiligt sind – beispielsweise bei der Müllverbrennung. Früher entstand Dioxin auch bei der Herstellung von chlorhaltigen Pflanzenschutzmitteln. Die Belastung mit Dioxin ist heute wegen eines zunehmenden Einbaus von Rauchgasfilteranlagen deutlich zurückgegangen. Allerdings baut sich Dioxin in der Natur nur sehr langsam ab und kann deshalb über die Nahrungskette in das Fleisch von Nutztieren gelangen.

Eine Dioxinvergiftung kann zu Schäden am Nerven- und Immunsystem sowie der Leber führen. Auch Chlorakne und Krebserkrankungen können die Folge sein, weil der Stoff bewirkt, dass Tumorzellen seltener absterben.

Der größte Dioxinunfall ereignete sich 1976 im Italienischen Seveso. Damals gelangten bei einem Unfall in einer Pflanzenschutzmittel-Fabrik größere Mengen des Stoffes in die Umwelt und beeinträchtige die Gesundheit zahlreicher Menschen schwer. 

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