Lebensmittelskandal : Schlachtabfälle landeten im Döner

Ein schwäbischer Fleischhändler hat Schlachtabfälle an einen Berliner Dönerhersteller geliefert. Ein aufmerksamer Fahrer lieferte die Hinweise, nach denen bayerische Behörden der Firma "Wertfleisch" auf die Spur kamen.

Gammelfleisch
Von der Firma "Wertfleisch" wurden die Schlachtabfälle nach Berlin geliefert. -Foto: ddp

Rund zwei Tonnen Fleisch, das nicht zum Verzehr geeignet war, sind in den vergangenen Wochen in Berlin vermutlich als Döner verkauft worden. Nach ersten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Memmingen hat ein schwäbischer Fleischhändler die als Tiernahrung vorgesehene Ware umetikettiert und Anfang August als „lebensmitteltauglich“ an einen Dönerhersteller im Bezirk Mitte geliefert. Dessen Namen gaben die Behörden gestern nicht bekannt. Die Firma habe von dem mutmaßlichen Betrug nichts gewusst und das Fleisch „in gutem Glauben“ weiterverarbeitet, sagte der Memminger Staatsanwalt Jürgen Brinkmann. Laut Senatsgesundheitsverwaltung ist es komplett verzehrt worden. Das Fleisch sei aber nicht gesundheitsgefährdend.

Die bayerischen Behörden kamen der Firma „Wertfleisch“ in Wertingen durch den Hinweis eines Speditionsfahrers auf die Spur. Dieser hatte dem Unternehmen am vergangenen Freitag aus Schleswig-Holstein sogenanntes Fleisch der „Kategorie 3“ (K3) geliefert. Diese Ware darf nur als Tiernahrung verkauft werden, weil sie aus Schlachtabfällen besteht. Dem Fahrer fiel auf, dass er die Ware an einem versteckten Platz abladen sollte und der Firmenchef sogleich Etiketten auf den Packungen entfernte. Als die Behörden den mutmaßlichen Betrüger zur Rede stellten, gab er die vorangegangene gefälschte Lieferung nach Berlin zu, heißt es bei den Ermittlern. Der schwäbische Betrieb wurde geschlossen, die restlichen 11,4 Tonnen Rind- und Putenfleisch wurden beschlagnahmt. Anhand der sichergestellten Geschäftsunterlagen wird nun geprüft, ob der Händler noch weitere umetikettierte Lieferungen vertrieben hat.

Seit Juli wurden 20 Tonnen "K3"-Fleisch geliefert

Das Lebensmittelaufsichtsamt in Mitte überprüfte gestern den betroffenen Döner-Hersteller. Reste des Fleisches habe man nicht mehr auffinden können, hieß es. Die gefälschte Lieferungen seien in die Tagesproduktion gegangen. Insgesamt habe der schwäbische Händler dem Betrieb seit Juli 20 Tonnen Fleisch geliefert, davon seien etwa 1,7 Tonnen umetikettiert gewesen. Das Kilo „K3“-Fleisch kostet 50 Cent, nach Berlin wurde es vermutlich für einen Euro weiterverkauft.

Im September 2006 waren auf dem Berliner Großmarkt 95 Tonnen verdorbenes Fleisch entdeckt worden. Schon vor deren Beschlagnahme war ein Teil der Ware in die Dönerproduktion gegangen. (CS)

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